Im Privatjet zu den Gletschern…

Hey liebe Panne-Fans,

es ist Sonntagfrüh, für mich Halbzeit in Alaska, und inzwischen habe ich meine Hoffnung auf einen Ausschlaftag im Urlaub aufgegeben :-). Auch heute haben wir ein straffes Tagesprogramm zu bewältigen: wir reisen von Fairbanks aus in den 370 Meilen entfernten „Wrangell-St.-Elias-Nationalpark“, dem größten Nationalpark der USA im Südosten Alaska’s mit einer stolzen Fläche von über 53.000 qkm. Die Fahrzeit ist mit über 7 Stunden angegeben und inzwischen wissen wir, dass wir diese langen Zeiten hier in Alaska auch brauchen werden. Also heißt es trotz einer kurzen Nacht wieder um 8 Uhr aufstehen, duschen, frühstücken, Auto packen und ab auf den Highway.

Unser Ziel war Chitina. Eine Stadt aus den Goldgräberzeiten, oder besser gesagt: den Kupfergräberzeiten. Als Ende des 19. Jahrhunderts Kupfer in dieser Region gefunden wurde, war Chitina eine florierende und vermögende kleine Stadt, von der aus die „Copper River and Northwestern Railway“ bis zu den Kennicott- Kupferminen geführt wurde. Heute, nachdem die Kupferminen und die Bahn schon für Jahrzehnte geschlossen sind, ist Chitina eine Geisterstadt mit gerade mal 123 Einwohnern auf 248 qkm- hier gibt’s garantiert keinen Ärger mit dem Nachbarn ;-). Aber dennoch ein wichtiges Ziel für alle Alaska- Urlauber, die die Wildnis des Wrangell erleben möchten. Denn entweder startet man von hier aus mit dem Auto oder Shuttlebus über die staubige, unbefestigte, aber wunderschöne „McCarthy Road“ in den gleichnamigen Ort McCarthy und zu den alten Kupferminen (dazu später mehr) oder man nutzt den „Chitina International Airport“ (Späßchen), um in die Wildnis des Wrangell zu fliegen. Da wir ja durch die extreme Sparsamkeit beim Lebensmittelkauf schon einige Dollar’s  gespart hatten, wollten wir heute mal richtig fett auf den Schlamm hauen und haben uns eine eigene Chartermaschine gebucht, die uns nach McCarthy fliegen sollte. Der Airport besteht im Prinzip aus einer staubigen kurzen Landebahn, einem kleinen abgeschlossenen Holzhäuschen und ein paar Parkplätzen. Personal oder technischen Schnickschnack brauchte man dort nicht. Insofern hatten wir es ziemlich schnell an das Abfluggate geschafft, auch der Check Inn und der Sicherheitscheck liefen problemlos lach. Wir stellten also unser Pannemobil ab und nutzten die dadurch gewonnene wertvolle Zeit um in aller Gemütlichkeit ein Alaska Kölsch zu genießen. Ja, richtig gelesen, die Alaska Bierbrauerei zauberte tatsächlich ein süffiges Kölsch, was wir inzwischen schon lieben gelernt hatten. Passend dazu wurden schmackhafte Chips serviert und damit war es definitiv die coolste Wartezeit auf einen Flieger, die ich jemals hatte :-).

Nachdem wir schon die Sparsamkeit des Chitina- Airports kennen gelernt hatten, wunderte uns auch nicht, dass Pat sofort als Co-Pilot angestellt wurde und nach zwei Sätzen Sicherheitseinweisung vorne Platz nehmen durfte. Anne und ich nahmen die hinteren Plätze ein, immerhin alles Fensterplätze, wir bekamen heiße Kopfhörer aufgesetzt, um den Bordfunk abzuhören und uns mit dem Piloten unterhalten zu können, und schon ging es los. Ach ja- keine Sorge- die Sicherheit an Bord rückte doch noch in den Fokus: unser Bärenspray- das war zu gefährlich für’s Handgepäck- es wurde außen an das Flugzeug angeklebt- schaut einfach mal auf die Bilder :-). Nachdem nun alles safe war, rollten wir in Richtung Startbahn und aus dem rollen dorthin wurde auch schon fließend einfach durchgestartet. Alles ziemlich easy und cool. Und schon nach ein paar Metern in der Luft konnten wir kaum noch etwas sagen, so toll und abwechslungsreich war die Landschaft unter uns. Keine Häuser, keine Straßen, keine Menschen- dafür Wildnis: Wälder, Seen, gigantische Flüsse, Berge, Gletscher. Und bestes Flugwetter ohne ein Wölkchen, welches uns die Sicht verdeckt hätte. Hier ein paar Eindrücke:

Und ein kleines Video vom Start:  Clip #29

Gut 45 Minuten dauerte unser Flug und am Ende, kurz vor McCarthy, hatten wir auch noch einen traumhaften Blick auf die Kennicott- Kupfermine und unser Nachtlager- den „Glacier View Campground“:

Ziel erreicht- McCarthy ist nun unsere Heimat für die nächsten drei Tage. Wer einfach mal die Nase voll hat von Alltag und Zivilisation findet hier sein Paradies. 28 Einwohner auf 384 qkm. Dazu im Sommer ein paar Aussteiger, die irgendwo am Fluss campen, ein paar Abenteurer im kleinen alten Hotel und wir- nahezu die einzigen Gäste auf dem Campground. Der McCarthy- Airport lag übrigens quasi im Zentrum der Stadt und unser Campground draußen- auf der anderen Flussseite. So überaus freundlich wie wir die Menschen in Alaska schon kennen gelernt hatten, so erlebten wir sie auch hier- an diesem Ort im Nirgendwo. Für die Leute der Airline war es selbstverständlich, uns nach unserem Ziel zu fragen und uns einen Shuttle anzubieten. Über Geld sprach man hier nicht, das machte man einfach so. Und zwar gerne. Wir wurden zur Footbridge gebracht, der einzigen Brücke über den Fluss und dort war Schluss für Auto’s. Hier ging es nur zu Fuß weiter und auf der anderen Seite lag nicht nur unser Campingplatz, sondern auch das Ende der McCarthy Road. Da McCarthy sonst rundum von Bergen und Gletschern umgeben ist, ist dies also der einzige Weg nach draußen- in die Zivilisation. Über eine Fußgängerbrücke. Mal einfach mit dem Auto in die nächste Stadt fahren ist hier also nicht, schon gar nicht im Winter, denn die Road ist nur im Sommer befahrbar. Nun also an der Brücke angekommen, machten wir uns zu Fuß in Richtung Zeltplatz auf. Unterwegs trafen wir auf einen Hund, den wir mal kurz für einen Wolf gehalten hatten :-). Und paar Meter weiter fragten uns auch gleich ein paar aufgeregte Touri’s, ob das unser Hund wäre und wir sollten ihn lieber anleinen. Häh? Anleinen- hier?! Ja, denn vor ein paar Minuten wäre ein ziemlich großer Schwarzbär hier auf der Straße gewesen, der müsste bestimmt noch in der Nähe sein. Okay, cool, besser wir hätten diese Information nicht gehabt, denn sie hat uns die nächsten drei Tage auch nicht mehr los gelassen :-).

Kurze Zeit später hatten wir den Campingplatz erreicht. Das Internet versprach eine Rezeption, eine Bar, ein Restaurant und einen Kiosk. Sah vor Ort so aus: ein aus paar Brettern zusammen getackertes Holzhüttchen mit ein paar Tischen und Stühlen davor. Dort konnte man ein Bier kaufen, einen Kaffee holen und auch essen- aber Chris (der Manager) meinte gleich, dass er im Moment kein Fleisch hätte, heute auch kein Auto gekommen wäre, aber vielleicht ja morgen ein Lieferwagen käme und der auch wieder Fleisch an Bord hätte, dann könnten wir auch etwas bei ihm essen, er macht dann Barbecue. Äähhmm naja, aus morgen wurde übermorgen, überübermorgen und vielleicht wartet er ja heute immer noch auf sein Burgerfleisch :-). Bier konnte man also kaufen. Aber naja- auch hier gab’s ein kleines Problem: die strengen Alkoholgesetze in Alaska. Man durfte zwar ein Bier kaufen, hätte das aber gleich am Kiosk trinken müssen, die Mitnahme zum Zelt war verboten. Okay, weiter: das Internet sprach von Toilette und Dusche (für 10 Dollar pro Nutzung). Gegenüber der Bar stand noch eine kleine Bretterbude, das einzige was man noch halbwegs als Gebäude ausmachen konnte. Wir haben am ersten Abend tatsächlich mehrfach überprüft, ob das jetzt im Ernst die Toilette und Dusche sein sollte. War sie 🙂 ! Ein kleines Plumpsklo- ein einziges für bestimmt über 20 Zeltplätze. Immerhin mit einer Tür davor und einem selbstgemalten Schild, welches man auf rot drehen konnte, damit man nicht von Besuch auf der Toilette überrascht wurde. Daneben war ein Duschvorhang, an den drei anderen Seiten ebenfalls von Brettern umrundet. Das war tatsächlich die einzige Dusche- mitten im Freien und ein Duschvorhang trennte die freie Sicht auf den Eingang zum Campingplatz und die Bar. Man duschte also im Freien, und das für 10 Dollar. Aber Chris meinte gleich, dass die Dusche heute eh nicht funktioniert. Okay, war das also auch geklärt :-). Frischwasser gab es aus einem kleinen Behälter, an ein Waschbecken nicht zu denken. Genauso wenig wie an Handyempfang. Nun waren wir also in einer noch wilderen Wildnis als im Denali angekommen- echt krass. Aber auch aufregend und cool. Also nix wie Zelte aufbauen, Kocher an und den Abend genießen.

Morgen steht das nächste Highlight an: wir erobern einen Gletscher! Und logisch- das heißt wieder früh aufstehen. Also ab in die Zelte. Zum Glück waren wir auch heute wieder so müde, dass wir kaum an den herum streunenden Schwarzbär denken konnten.

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Diesen Gletscher werden wir morgen besteigen- freut Euch also auf den nächsten Bericht !

 

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