Abschied von Alaska…

Neuer Tag, neues Abenteuer- genau so seelig wie wir eingeschlafen sind, wachten wir auch wieder auf- gegen 9 kamen die ersten aus dem Zelt gekrochen- ich glaub das war der längste Langschlaftag dieses Urlaubs :-). Anne hatte inzwischen eine handfeste Erkältung und Ö nach wie vor Schnupfen hatschiiii und Knie autschiiii – wir hatten also einstimmig beschlossen heute mal eine ruhige Kugel zu schieben und auf die geplante Bergwanderung zu verzichten. Also haben wir gemütlich gefrühstückt- gut, nicht ganz so gemütlich, denn es plätscherte Regen auf uns und alles, was auf dem Tisch stand. Aber auch das hat ja Vorteile: die Kaffeetasse wurde nicht so schnell leer :-). Pünktlich nach dem Frühstück verzog sich der Regen und wir schlenderten in Richtung McCarthy. Als erstes wollten wir heute mal das Örtchen inmitten der Wildnis etwas genauer erforschen. So lange würde die Tour ja wohl nicht dauern- Ihr erinnert Euch- 28 Einwohner :-).

Es gab sogar einen Bus hier- also einen Shuttleservice, der alle paar Minuten in das 6 km entfernte Kennicott fuhr- klar, wo sollte er auch sonst hin, war ja das einzige per Auto erreichbare Ziel hier und dort, am Gletscher, war dann auch schon wieder Schluss für Auto’s. Also rein und ab nach Kennicott- wir wollten uns die alte Kupfermine noch mal genauer anschauen.

Nachdem wir heute schon so viel gelaufen waren lach– mindestens mal 5 Kilometer :-)- hatten wir uns auch eine besondere Belohnung verdient- so haben wir auf dem Rückweg in McCarthy den Saloon besucht und ein frisch gezapftes Alaska- Bier gesüffelt, dazu noch paar Pommes vertilgt und dann ging es auch schon wieder zurück zum Campground.

Übrigens hatten wir im Shuttle erfahren, dass am frühen Morgen ein Fußgänger zwischen McCarthy und Kennicott von einem Schwarzbären angegriffen wurde. War der Zottelbär also immer noch hier unterwegs. Das machte die folgende Nacht im Zelt besonders spannend 🙂 und vor allem die unumgänglichen nächtlichen Wege nach draußen. Nachts haben wir auch Schüsse gehört, vielleicht hat noch jemand den Schwarzbären unterwegs getroffen. In Alaska werden Bären getötet, wenn sie es einmal in menschliche Siedlungen geschafft haben. Und das ist auch kein Problem hier, denn Jagdwaffen aller Art kann man einfach im Walmart kaufen, die liegen ganz selbstverständlich zwischen Keksen und Fernsehern im Regal rum- brauchen nicht etwa einen separaten Verkaufsraum mit Ausweiskontrolle, wie beim Alkohol. Man setzt hier andere Prioritäten wie bei uns :-).

Irgendwie hatten wir nun also auch die letzte Nacht im Zelt überlebt, kein Bär und kein Wolf hatte Interesse an uns. Wahrscheinlich nicht mal mehr ein Mensch, denn wir hatten ja schon drei Tage keine Dusche und kein Waschbecken mehr gesehen. Aber ein letztes Erlebnis hatte die Wildnis noch für uns vorbereitet: im strömenden Regen Zelte abbauen, alles einpacken und frühstücken. Am Ende war alles schön nass und wurde triefend in die Rucksäcke verpackt und wir hatten -Achtung Überraschung- pünktlich! unseren Shuttlebus erreicht, der uns über die Parkroad wieder zurück aus der Wildnis zum Flugplatz und damit zu unserem Auto brachte. Wir wechselten ins Pannemobil und düsten zu unserem letzten Ziel auf der Alaskareise: nach Valdez. Ein kleines hübsches Küstenstädtchen im Südosten von Alaska- traurige Berühmtheit erlangt durch den havarierten Öltanker und der daraus folgenden Umweltkatastrophe Ende der Achtziger Jahre. Nachmittags hatten wir Valdez erreicht, diesmal wollten wir in einem richtigen Hotel einchecken. Also Hotel stand tatsächlich dran und drei Sterne zierten dieses Haus. Von außen sah es aus wie mehrere Dutzend übereinander und ineinander zusammen gestapelte Wellblechcontainer- deshalb taufte Pat das Ding auch gleich als „Neumayer-Station Antarktis“. Aber völlig egal- alles was wir jetzt wollten, war ein Bett und eine Dusche. Und naja- zumindest waren die Zimmer sauber und das war ja schonmal eine Verbesserung zu den Motels. Ich war gut damit beraten möglichst schnell die Dusche aufzusuchen, denn der letzte von uns hatte gerade das Bad verlassen, schon hing das Pannezelt zum Trocknen kreuz und quer durch’s ganze Badezimmer :-). Im Zimmer selbst sah es inzwischen wie nach einem kleinen Bombenangriff aus- alles was einmal im Auto war, lag jetzt auf unseren Betten und jeden Zentimeter, der sonst noch mit irgend etwas belegt werden konnte. Und abends Leute- unsere Mägen hatten sich inzwischen verbündet und uns zielgerichtet und einstimmig in „THE FAT MERMAID“ geführt- einer sehr urigen Kneipe am Hafen. Echt geil dort- dort saßen Touri’s neben Fischern, die in kompletter Gummikleidung gerade vom Fang zurück kamen. Dazu erklang Livemusik, zur Freude von Anne und Pat auch „Over the Rainbow“. Und in dieser einmaligen Stimmung füllte sich zuerst unser Tisch, später unsere Mägen, mit einer superleckeren Pizza, nen Burger und Alaska-Amber. Also fielen wir auch heute seelig in den Schlaf und die laut brummende Klimaanlage, die man natürlich nicht ausschalten konnte, sowie das ebenfalls laut zwitschernde und frei im Zimmer verlaufende Wasserrohr konnten uns nicht daran hindern.

Am Donnerstagfrüh begrüßte uns schon wieder Regen, der an die Blechwände unserer „Neumayer-Station“ plätscherte. Ausgerechnet heute- heute wo wir doch auf’s Meer hinaus wollten. Aber wir hatten keine Wahl, denn schließlich war die Tour gebucht und leider war dies ja auch schon unser letzter Tag für einen Ausflug. Im Hafen von Valdez wartete unser Katamaran, der uns durch den „Prince William Sound“ schippern sollte. Und da wir ja irgendwie in Alaska meist Glück mit dem Wetter hatten, war das auch heute der Fall. Die tief hängenden Wolken verzogen sich recht schnell und gaben die Sicht auf die Küstenlinie und die Tierwelt Alaska’s frei. Die Fahrt dauerte gut acht Stunden und für mich war das absolute Highlight wieder einmal ein Gletscher- diesmal aus einer ganz anderen Perspektive. Aber was soll ich viel schreiben, ich zeig Euch einfach die Bilder von unserer Tour:



Unsere Alaska- Checkliste war nun -am vorletzten Abend- fast komplett abgearbeitet. Nur eines fehlte noch, wir wollten mal frisch gefangenen Fisch essen. Das „Alaska Halibut House“ versprach genau das, was wir suchten. Aber obwohl es ein gutes Restaurant mit wirklich fangfrischen einheimischen Fisch war, sah es trotzdem wie in einem Fast Food- Laden aus- mit Bestellung an der Theke. Egal- der Heilbutt und die Soßen dazu waren echt sehr lecker!

Und in Null-komma-nix war Freitagfrüh und damit blieb uns nur noch der Weg zurück nach Anchorage. Ausgerechnet heute, denn heute präsentierte sich Alaska bei strahlendem Sonnenschein und stolzen 23 Grad. Das war echt noch mal eine grandiose Fahrt in einer grandiosen Landschaft!

Das tolle Wetter hatte unseren Zeitplan bis ans äußerste Limit gebracht und- Ihr ahnt es bestimmt- in guter Pannemanier gaben wir unseren Mietwagen um 20.10 Uhr am Flughafen ab, späteste Rückgabezeit war 20 Uhr. Eigentlich wollten wir drei Stunden früher hier sein, aber warum sollte ausgerechnet heute etwas anders sein, als an jedem anderen Tag :-). Schon um kurz nach Mitternacht hatten Anne und Pat ihren Flug geplant und meiner zurück nach Deutschland ging erst am folgenden Nachmittag. Also checkte ich in einem Hotel nahe des Airports ein und zum Abschied gab es hier noch einmal richtig leckere Burger für uns.

Der Rest ist schnell erzählt. Die beiden absolvierten noch eine Schnelldusche in meinem Hotelzimmer und dann war auch schon die Stunde des Abschieds gekommen. Gegen 00.40 Uhr am Samstagfrüh hoben die beiden in Richtung Portland ab, um am frühen Morgen zurück in L.A. zu sein. Nach einer Zwischenübernachtung flogen sie dann von dort weiter nach New Orleans. Und mein Condor- Flug ging um 17 Uhr zurück nach Frankfurt und während ich nun wieder die Freuden des Arbeitsalltags genießen darf, touren Anne und Pat weiter um die Welt. Toll 🙂 !

Und hier gibt’s noch eine kleine Karte mit den wichtigsten Stationen des Alaska-Trips:

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Tja, liebe panne- Leser, ich bin nun schon über eine Woche zurück in Deutschland und habe leider jetzt erst die restlichen Berichte geschafft. In Alaska war tatsächlich entweder kein WiFi zu bekommen oder die Verbindung war so mies, dass man kaum ein Foto hochladen konnte. Insofern kann ich inzwischen aus persönlicher Erfahrung gut nachvollziehen, dass die beiden nicht immer zeitnah ihre Berichte online stellen können. Ich habe damit meine Aufgabe als Urlaubsvertretung erfüllt und gebe nun wieder die Berichterstattung an Anne und Pat ab. Die beiden sind inzwischen schon in Ecuador, genauer gesagt im Schildkrötenparadies der Galapagos- Inseln und werden bestimmt in den nächsten Tagen von dort berichten.

Eines muss ich aber noch los werden: Liebe Anne und lieber Pat, das war echt keine Erholung mit Euch. Es war anstrengend, gefährlich, manchmal stressig, ich bin immer noch müde und kaputt. Aber es waren trotzdem zwei richtig geile, sehr sehr coole, erlebnisreiche, abenteuerliche, lustige, spannende und unvergessliche Wochen mit Euch in Alaska! Wir haben uns echt toll verstanden und ich möchte Euch einfach noch einmal ein ganz fettes „DANKE“ für alles sagen! Ich vermiss‘ Euch sehr, schick einen Knutscher und freu‘ mich schon richtig doll auf das Wiedersehen- wer weiß, vielleicht ja wirklich im Januar in Neuseeland :-).

Liebe Grüße an die Weltenbummler und alle panne- Fans

vom Ö, der Urlaubsvertretung 🙂 !!

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