Von der bolivianischen Salzwüste in die chilenische Atacama Wüste

Hey Ihr Lieben 🙂

Gefüllt mit den Erlebnissen der Pampas Tour haben wir weitere 3 Tage in La Paz verbracht, um uns zu erholen und aber auch weitere organisatorische Dinge für die Weiterreise in Südamerika und Neuseeland zu erledigen. Drei Tage am Notebook und Internet für Planung und Buchungen. Wir waren selbst erschrocken wie viel Zeit es uns gekostet hat. Aber wir sind mit dem Ergebnis zufrieden und beruhigt zu wissen, wie es weitergehen wird! Es wurde Zeit La Paz zu verlassen. Auf dem Programm stand eine 3 tägige Salzwüstentour mit dem Jeep. Ausgangspunkt sollte der kleine Ort „Uyuni“ sein, und wir waren ja immerhin noch 10 Busstunden entfernt. Ihr kennt uns ja – wenn möglich bevorzugen wir eine Übernachtfahrt und das Glück stand auf unserer Seite.

Typischerweise werden auf solchen Touren „Full Carma“ oder „Semi Carma“ Sitze angeboten. Ehrlich gesagt, den Unterschied zwischen diesen Sitzen habe ich bisher noch nicht wirklich erkannt (außer am Preis). Wahrscheinlich sind die Sitze und deren Qualität stark abhängig von der Busgesellschaft, dennoch können diese Sitze eine Reise wirklich angenehmer machen!:)

Die Reise geht los:
Am Busterminal in La Paz angekommen haben wir am „Ticketschalter“ unsere Reservierung in Tickets umgewandelt.
Mit einem Lächeln hat uns die Frau am Schalter ein „free upgrade“ auf „full carma“ spendiert yeaaaah, das fängt doch schon mal gut an.
Also noch schnell Gepäck abgeben und den neu gewonnen „full carma“ Sitz beziehen. Die Fahrt konnte von uns aus beginnen. An viel kann ich mich nicht mehr erinnern, am nächsten Morgen (06:00 Uhr) schallte es schon durch den Bus: „Uyuni“! Wir waren angekommen und ab hier verstand ich auch, was „full carma“ bedeutet: Super bequemer Ledersitz, der einen nur so in den Schlaf verführt! 🙂

In Uyuni angekommen, wollte keiner so wirklich raus. So ist Uyuni der direkte Anschluss zur Salzwüste und wie wir alle wissen, sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht in einer Wüste so hoch, wie kaum an einem anderen Ort auf dieser Erde. In anderen Worten, es war kalt. Aber raus aus dem Bus mussten wir trotzdem. Vor dem Bus wimmelte es nur so vor Verkäufer, die ebenfalls Wüstentouren für kurzentschlossene an den Mann bringen wollten. In diesem Fall waren wir vorbereitet und hatten in La Paz vorgebucht. Ein Guide von der „Travel Agency“ hat uns abgeholt und direkt ins nächste warme Café gebracht. Hier hatten wir warme 1.5 Stunden Zeit, ein stärkendes Frühstück zu uns zunehmen, bevor es wieder zur Agency ging, um alle organisatorische Aufgaben zur 3 tägigen Wüstentour zu besprechen. Nachdem wir alle Infos bekommen hatten warteten wir weitere 3h bis zum Tour Start. Während dessen wurden wir über den TV in der Agency über die aktuellen Wahlergebnisse in den USA informiert. Die Reaktion aller „Zuschauer“ war sehr einheitlich: Schock! Einige anwesende Amerikaner konnten kaum glauben was sie sahen…

11:00 Uhr – es geht endlich los! In einen Jeep passen 6 Personen und das war somit unsere Gruppengröße für die nächsten 3 Tage.
Die Mischung war sehr interessant: 2 Letten, 1 Neuseeländer, 1 US-Amerikanerin und Panne 😀
Jetzt nur noch das Gepäck auf das Dach und auf geht es in Richtung unseres ersten Stopps: ein Eisenbahnfriedhof. Nach 15 Minuten waren wir auch schon direkt angekommen. Es ist zwar nur Schrott, der in der Salzwüste verrostet, aber der erste Eindruck war trotzdem faszinierend. Diese Loks hatten ihre besten Zeiten viele Jahre zuvor und wurden als Transportmittel beim Salzabbau verwendet. Die Gleise werden heute noch aktiv genutzt, doch haben LKWs die Eisenbahnen zum Großteil abgelöst. Aber warum waren wir hier? Natürlich um auf den alten „Ladys“ herum zu klettern!! Also Fotoapparat raus und „Schnappschuss Time“.

Unser nächstes Ziel war das Dorf „Colchani“. Hier sollten wir erfahren, wie die Menschen ihr Leben mit dem Salz bestreiten. Unser Guide hat uns hinter die Kulissen der Salzproduktion geführt und uns über die hervorragende Salzqualität der Uyuni Salzwüste aufgeklärt. Der Produktionsverlauf erscheint recht einfach, wir vermuten der schwierigste Teil liegt beim Abbau des Salzes in der Wüste.
Danach wird das Salz in der Sonne getrocknet, später durch einen Häcksler zerkleinert und abschließend verpackt.
Wer für die Salzproduktion eine Fabrik erwartet, ist mal richtig auf dem Holzweg. Dies macht jeder Einwohner in seinem Hinterhof und bedarf bisher keiner offiziellen Lizenz. 🙂 Ein geübter Einwohner schafft ca. 800 Päckchen (á 1kg) pro Tag.

 

Zwischendurch durften wir das unbearbeitet Salz auch verkosten (Bröckchen habe ich heute noch einstecken 😀 ) und es war wirklich lecker. Ich konnte kaum aufhören es zu essen, allerdings ist das in der Wüste keine clevere Idee! 😉
Von der Fabrik ging es direkt zum Mittagessen und ratet was am Ende trotzdem auf dem Tisch gefehlt hat – richtig – Salz!;) Das lies sich jedoch schnell lösen mit einem einfachen Griff auf den Boden! Haben aber auch noch einen Salzstreuer bekommen ;-)!

Mit frisch gefülltem Magen ging es zum nächsten Highlight, dem ersten Salzhotel und seiner weiteren Bedeutung als Start der „Rallye Dakar“ Eine Idee was man in einem Salzhotel macht? Exakt – Fotos und an den Wänden lecken!;)
Nach dem Bestaunen des Salzhotels und einige Fotos später, sind wir eine weitere Stunde in die Wüste gefahren.

Von hier an war deutlich zu erkennen, wie sich die Wüste veränderte. War zu Beginn die Wüste noch braun und weiß gemischt, so veränderte sich der Boden in fast lupenreine, weiße Sechsecke. Der erste Schritt aus dem Wagen und es klingt, als würde man auf gefrorenen Schnee treten. Und wie im Winter mit Schnee und Sonne, ist auch hier eine Sonnenbrille unabdingbar!
Nun sind wir mitten drin in der Wüste und die Schönheit ist schwer in Worte zu fassen. Eine vollständige Drehung im Kreis und trotzdem bleibt die Oberfläche immer gleich – keine Hügel, keine farbliche Veränderung, nur am Horizont zeichneten sich die Konturen der Berge ab. Ein beeindruckendes Naturschauspiel 3653m über den Meeresspiegel. Diese Landschaft ist perfekt geeignet für unrealistische aber wirkungsvolle Fotos. Unsere „Lieblingsbilder“ findet ihr hier:

Beginnt man erst einmal mit solchen Fotos wird plötzlich alles zur Inspiration und scheinbar alles ist möglich. Wir hätten noch Stunden verbringen können, aber nach einer mind. einstündigen Foto-Session mussten wir weiter, um rechtzeitig an unserer Übernachtung anzukommen. Wir sollten am Rand der Wüste nächtigen (San Juan) und als wir ankamen waren wir schwer begeistert – unsere Unterkunft ist komplett aus Salz gebaut, der Speiseraum, die Zimmer, das Bad (okay das war teilweise gefliest), aber sonst einfach alles salzig. Wir haben echt gut geschlafen, auch wenn wir uns am nächsten Morgen etwas ausgetrocknet fühlten. Salz hatte uns zu den Mahlzeiten dieses Mal nicht gefehlt, konnte man es doch vom Tisch, Stuhl oder Boden kratzen!;)

Der neue Tag begann schon um 05:30 Uhr. Am Abend zuvor hat uns der Guide im „Briefing“ bereits auf 11 Stunden Autofahrt an diesem Tag vorbereitet.
Doch glücklicherweise nicht am Stück, sondern mit einzelnen Zwischenstopps. Zunächst ging es vorbei an riesigen Steinbrocken bis hin zu einem kleinen Nationalpark, in dem es einen sogenannten „Stone-Tree“ gibt, also einen Stein, der wie ein Baum aussieht. Daneben gab es auch noch andere Formationen, aber seht selbst:

Von hier aus ging es dann entlang an Lagunen, die alle von hunderten von Flamingos belagert waren. Wir haben gelernt, dass es hier drei Arten von Flamingos gibt, wobei der chilenische Flamingo mit dem schwarz gefärbten Gefieder am Rand, uns am häufigsten begegnete! Einfach wundervoll all diese rosafarbenen Vögel! Wir haben noch nie so viele davon an einem Fleck gesehen! Das Highlight an diesem Tag war die Laguna Colorado – oder auch „Rote Lagune“! Das Wasser erschien wirklich sehr rot und mit den rosafarbenen Flamingos drin ergab es eine einzigartige Kombination!

Nach den ganzen Lagunen und Flamingos sind wir dann in die Vulkanregion Altiplano-Puna aufgebrochen. Das Besondere ist, dass das Geothermalgebiet „Sol de Manana“ hochaktiv ist. Es gab brodelnde Schlammlöcher und an vielen Stellen entwich Schwefeldampf. Natürlich haben wir hier auch mit den Jeeps angehalten und sind zwischen diesen Schlammlöchern durchgelaufen – aber immer sehr achtsam, denn Abrutschen sollte man hier nicht!!! Kurz bevor diesen Punkt erreicht hatten, haben wir noch einen persönlichen Rekord gebrochen: wir haben die 5000 Höhenmeter überschritten!!! YEAH!


Nach so einem Tag hatten wir uns einen entspannten Abend verdient. Im „Huayllajara Refuge“ angekommen gab es erst einmal leckere Spaghetti und danach war dann Entspannung angesagt. Wie geht das am Besten? Exactomento – in natürlichen heißen Quellen baden. Da wir ganz in der Nähe des Vulkans schlafen, können wir auch die Vorteile davon nutzen. 😀
Allerdings war unsere Übernachtung ganze 150m weit weg von den heißen Quellen und da es nach Sonnenuntergang richtig kalt ist, mussten wir uns dennoch motivieren zu den Quellen zu laufen. Vor allem der Weg zurück hat in den Überlegungen schwer gewogen. 😉 Die Vernunft hat dann doch noch gesiegt und wir haben im heißen Wasser unter dem eisig kalten Sternenhimmel gelegen. Was für ein gelungener Abend!!! Ps. Der Rückweg war so schlimm wie wir uns ihn vorgestellt haben. 😉

P1320634_wm_uyuni

Heiße Quellen – Links davon befindet sich eine sehr große Lagune auf die wir einen super Blick hatten!

Am nächsten Tag konnten wir so etwas wie „ausschlafen“. Um 06.30 Uhr sollte der Tag für uns beginnen. Nach kurzen Frühstück ging es auch los, ab zur „Laguna Verde“, dem letzten Highlight dieser Tour. Ihr könnt es Euch so vorstellen, eine riesige Lagune direkt vor einem Vulkan. Jetzt gibt es nur ein Dilemma, denn:

  1. Bei Windstille und schönem Wetter spiegelt sich der Vulkan in der Lagune
  2. Bei viel Wind und ebenfalls schönem Wetter färbt sich die Lagune grün

Hmmm… – was sollen wir uns nur wünschen?:)
Die Entscheidung haben wir dem Schicksal überlassen und es fiel folgendermaßen aus:
Kein Wind, zu wenig schönes Wetter und irgendwie war beides nicht richtig zu sehen. So kann man es auch machen!;)

Nach 500km quer durch Wüste sind wir an unserem letzten Ziel in Bolivien angekommen. An der Grenze hieß es nun Abschied nehmen von unserer Gruppe, von Bolivien und trauriger Weise auch den „Coca“ Blättern. Ganz klar, dass wir vor der Grenze noch mal die Wangentaschen voll mit „Coca“ hatten!;)

P1320670_wm_uyuniDie Ausreise aus Bolivien verlief genauso problemlos, wie die Einreise in Chile. Im Handumdrehen waren im unter den Travellern berühmten San Pedro de Atacama angekommen. Auf den ersten Blick sah es so aus, wie man sich ein Dorf in der Wüste vorstellt – angenehm ruhig! Da sind wir nun angekommen, in Chile. In solchen Momenten denken wir oft an die ersten Tage in Südamerika und müssen dann über uns Lachen (am Anfang hatten wir Eingewöhnungsschwierigkeiten). Es macht uns Mut weiter zu machen und uns auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Zum Beispiel die neue Währung und diese Umrechnung stellte uns richtig auf die Probe. Ein kleines Beispiel: Für unsere ersten zwei Übernachtungen haben wir 48.000 chilenische Pesos bezahlt (Umrechnung ca. 1€ = 700 CPS). Ihr denkt es Euch schon, im Kopfrechnen werden wir immer fitter!;)

In San Pedro d.A. hatten wir nichts Besonderes geplant und wollten die Dinge auf uns zukommen lassen. Das Wichtigste was wir zu erledigen hatten, war unsere weitere Busreise nach Salta (Stadt im Norden von Argentinien) rechtzeitig zu buchen. Die Busse fahren nicht jeden Tag und die Plätze sind begrenzt. Jab – wir haben uns für einen Abstecher nach Nord-Argentinien entschieden. Auf unser bisherigen Reise sind wir vielen Leuten begegnet, die uns mit so einer positiven Ausstrahlung von Nord-Argentinien erzählt haben, das wir einfach nicht mehr anders konnten. Es gibt 2 gute Gründe dafür:

  1. sehr gutes Essen, vor allem argentinisches Steak
  2. Iguazu Wasserfälle (eines der neuen 7 Weltwunder)

..und um das nicht zu verpassen, sind wir gleich nachdem Check-In im Hostel zum Busterminal gelaufen und das war die richtige Entscheidung. Der Bus war schon nahezu ausverkauft, aber Platz für Panne hatten sie noch. 🙂

Mit dem Busticket in der Tasche haben wir am ersten Tag die Seele baumeln lassen. Allerdings schien fast aus dem zweiten Tag auch nichts weiter zu werden. Ein bisschen Stöbern auf dem „Artesanen-Markt“, das frisch gekaufte Baguette anknabbern, während man im Park der Live-Musik lauschte. Da wir uns mit dem „nichts tun“ doch nicht so ganz zufrieden geben konnten, haben wir in einer „Agency“ noch mal über das „Sterne gucken“ informiert, aber mit durchschnittlich 30€ pro Person war uns das für 2 Stunden zu teuer.

Aber der Tag sollte doch noch mit einer Aktivität enden. Ein Anruf von Silke, eine Travellerin aus Deutschland die wir seit Peru kennen, hat unser Dilemma gelöst und 15min später saßen wir auf „Fat Bikes“ mit Elektroantrieb und die Wüste gehörte uns. Entschuldigt den Slang, aber es war einfach mega geil – DANKE SILKE! Die E-Bikes machen absolute Laune! Ist die elektrische Unterstützung erst einmal eingeschaltet, ist kein Weg mehr zu weit (zumindest solange wie der Akku durchhält). Am Ende hatten wir 27km auf dem Tacho und der Akku war kurz vor dem Ende – Muskelkraft waren es aber max. 5km! 😉


Damit ging auch der zweite Tag glücklich zu Ende und wir haben die Atacama Wüste hautnah erlebt! Am nächsten Morgen startete auch schon unser Bus nach Salta (8:30Uhr).

Wie das argentinische Essen wirklich war und was wir sonst noch so erlebt haben, folgt im nächsten Bericht!;)

Ps: Hier gibt es noch weitere Eindrücke von unserer 3 tägigen Tour!:)



Das Besondere an diesem Artikel:
Den ganzen Text habe ich im Bus nach Salta verfasst, ganz hinten, mit dem Notebook, ohne Reisetabletten.
Das ist normalerweise die Kombi, um mich ohne Unterstützung von Reisetabletten, komplett auszuschalten. Aber nicht dieses Mal und ich bin echt stolz auf mich!
Meine 3 Theorien:

  1. Mein Körper zehrt noch von dem Wirkstoff aus den letzten 2.5 Monaten
  2. Die Rezeptoren im Gehirn sind auf unbestimmte Zeit betäubt (von den Unmengen an konsumierten Reisetabletten in den vergangenen Monaten)
  3. Ich bin geheilt!

Letzteres halte ich eher für unwahrscheinlich! 😉

Vielen Dank für das treue Lesen!

Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht und Fotos!

Liebe Grüße
Eure Weltenbummler

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