Tag 4 – Auf zur Awaroa Bay

Guten Morgäääähhnnn Ihr Lieben!:)

Nachdem wir nun früher zu Bett gegangen sind als geplant waren wir am Tag 4 super ausgeschlafen! Ein gutes Gefühl übrigens. 🙂

Unser heutiges Tagesziel „Awaroa Bay“. Eine 11km lange Wanderung mit einem gehörigen Anteil einer Inlandswanderung. Bisher sind wir den Wäldern immer fern geblieben, bis auf „Cleopatra‘s Pool“, aber sie machen einen sehr interessanten Eindruck. Neben der Inlandswanderung habe ich heute aber noch ein persönliches Highlight. Denn in der ganzen Abgeschiedenheit soll es an unserem Campground ein Café geben, das kühles Bier ausschenkt und Pizza aus eigener Hand zubereitet. So hat es uns der Mann von der iSite (Visitor Center) vorausgesagt. Auf diesen Tag habe ich mich sogar schon vor Beginn der Tour gefreut und wir haben ein Abendessen und einmal Frühstück im Café geplant!;)

Das Wetter war wieder gut und der Wind hatte sich bereits in der Nacht gelegt. Somit gab es wieder Chancen für die Sandfliegen und Hummeln. Deshalb – schnelles Frühstück und so schön es auch in „Bark Bay“ ist – schnell weg hier!

Die Bucht ist noch voll mit Wasser und wir müssen den Weg bei Flut (high tide route) laufen. Auf dem gesamten Wanderweg gibt es Wege bei Ebbe (low tide route) und Wege bei Flut (high tide route). Wie man sich unschwer denken kann bedeutet Flut natürlich auch immer eine längere Strecke. Im Umkehrschluss kann man sagen das bei Ebbe mit viel Glück auch gut 2h Laufen eingespart werden kann. Aber wie bereits erwähnt, bei Panne wird heute nicht gespart und es geht die volle Strecke entlang. 🙂

Schon nach den ersten 3km war ich aus der Puste und zugegeben auch leicht gereizt. Nachdem wir die Bucht umlaufen hatten ging es nur noch bergauf, eine ordentliche langanhaltende Steigung, auf die ich mental nicht vorbereitet war. Aber das Prinzip ist immer das gleiche, sobald man oben angekommen ist, ist aller Ärger vergessen und man freut sich über das Geschaffte und die tolle Aussicht (sofern es eine gibt? ).

Bergab ging es wieder relativ leicht und auch wesentlich schneller!;)
Unten angekommen erwartet uns ein schöner langer Sandstrand und wie es für den „Abel Tasman Walk“ so typisch zu sein scheint, läuft man jeden den Strand auch von Anfang bis zum Ende. Dabei mag ich es sehr nah an den Wellen zu laufen und im Takt des Meeres von rechts nach links zu tanzen, um den Wellen auszuweichen und keinen nassen Fuß zu bekommen. Es ist genau so wie ich es mir vorgestellt habe, mit Wanderucksack am Strand langzulaufen und doch nur auf der Durchreise zu sein. Ein tolles Gefühl! Und so haben wir auch schnell das Ende des Strandes erreicht. Und da geht es auch mal wieder in das Inland. Dieses Mal sehen wir den Berg und erkennen, genauso steil, aber noch höher. Die Motivation ist hoch, kühles Bier und Pizza warten auf uns. Die Natur verändert sich total. Um uns herum ist alles grün, einfach alles. Rechts und links von unserem Weg teilen sich Bäume, Farn und viele andere große Pflanzen den Platz und nutzen alles bis auf den letzten Zentimeter. Es gibt keine Anordnung oder Sortierung nach Art. Es ist ein bunter Mix und wohltuend für das Auge und irgendwie auch erheiternd!
Aber nach 40min zerren Rucksack und Berg trotzdem stark an unseren Nerven! Die Beine schleppen sich nur Mühsam Bergauf. Ein Ende ist jedoch noch nicht in Sicht. Wir unterhalten uns über die Pizza im Café und was es für eine tolle Abwechslung zu unseren bisherigen Essen ist. Dabei wird uns so langsam bewusst, dass wir Gefahr laufen uns eine Idealvorstellung der Pizza im den Kopf zu kreieren. Sowas geht meistens nach hinten los, also lösen wir uns wieder davon. Wir machen das Gegenteil und scherzen das uns vielleicht folgende Sätze erwarten: „diese Sorte gibt es nicht mehr“, „Ausnahmsweise ist die Pizza heute aus“ oder das Café gar geschlossen ist. 🙂

An der nächsten Bank haben wir eine Rast eingelegt und die Aussicht auf unsere bisherig zurückgelegte Strecke genossen. Eine halbe Stunde nachdem wir aufgebrochen sind haben wir auf dem Berg eine Weggabelung erreicht und der Text auf dem Schild hat uns ganz schön erschüttert.

Rechts entlang = 5km (ca. 2h) = zum Awaroa Campground (weiter Bergauf).
Links entlang = 15min zum Awaroa Café (steiler Bergab Weg).

An dieser Stelle haben wir realisiert, das Café und Campground 5km über den Berg hinweg voneinander entfernt sind. „Wie jetzt? – am Visitor Center haben sie uns gesagt das es direkt nebeneinander liegt!? Die Bergtour hatte uns ohnehin schon ausgezerrt!
Wenn wir jetzt zum Café laufen, dann bedeutet dies zurück auf Meereshöhe und den gleichen Weg wieder hoch, um dann die zusätzlichen 5km zum Campground zu wandern und zur Feier des Tages dann noch das Zelt aufzubauen!?! Dieser Aufwand war uns alleine beim Durchdenken schon zu viel und zudem waren wir wirklich schon erschöpft. Unsere geschätzte Ankunftszeit wäre dann etwas gegen 19.00 – 19.30 Uhr am Campground.
Naja, auf der anderen Seite wäre das auch noch okay, denn am nächsten Tag können wir erst um 16.00 Uhr starten! Um von Awaroa zum nächsten Ziel zu kommen muss man eine Bucht durchqueren und das geht nur bei Ebbe. Die ist am nächsten Tag um 16.00 Uhr und somit hätten wir den Vorteil nicht gleich morgens los laufen zu müssen.

Während der Denkpausen haben wir kurz auf das Visitor Center geschimpft und festgestellt, dass die „Berater“ den Weg wohl auch noch nicht selbst gelaufen sind. Das einzige was Café, Bucht und Campground gemeinsam haben ist der Name!;)

Letztlich haben wir uns für das Café und seine Vorzüge entschieden und uns auf den Abstieg gemacht. Der Weg ging recht steil nach unten und war schlecht zu laufen. Da wir hier so wieso wieder vorbeikommen würden hatten wir überlegt, ob es nicht eine gute Idee ist die Rucksäcke auf der Strecke abzulegen, haben uns aber dann doch dagegen entschieden. Weitere Infoschilder haben uns in Kenntnis gesetzt das alle Abkürzungen aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Woche gesperrt sind und leider nur der lange Weg zum Café passierbar ist. Was wir in diesen Moment so gesagt oder gedacht haben lasse ich jetzt hier mal weg. 😀
Somit haben 30min später unsere Nasen die ersten verlockenden Gerüche frisch zubereiteter Pizza wahrgenommen. Oh man – das hat so gut gerochen – da hatte sich die Anstrengung schon fast jetzt gelohnt!;)

Am Café eingetroffen waren wir zunächst über den soliden Platz erstaunt. Eine große grüne Grasfläche mitten im Wald. Auf dem Gras rundherum Tische und Bänke und teilweise Sonnensegel darüber gespannt. Es lief angenehme Musik und die Leute waren gut gelaunt. Eine bunte Werbetafel hat uns über das Angebot informiert. Obwohl ich mit nichts anderem gerechnet habe, bin ich kurz über die Preise zusammen gezuckt, doch das sollte uns jetzt nicht davon abhalten. Nicht heute!:)

Also bin ich zur Kasse und habe unsere Pizzen bestellt oder besser gesagt „wollte“ ich unsere Pizzen bestellen. Als Reaktion auf meine Bestellung hat mir die nette Frau gesagt, dass die Pizzen für heute „leider aus“ sind!

..whaaaat?…das ist nicht wahr!!!! Ungelogen – alle anderen saßen und aßen ihre Pizza!
Wenn es läuft, dann läuft‘s. Schon „leicht“ aufgebracht;) und irgendwie auch mit der Verzweiflung eines Menschen der sich schon seit Tagen auf diese Pizza freut, habe ich der Frau die „Bergauf-Bergab“ Story erklärt und „die Vorfreude“ und alles, trotz des Bewusstseins, dass es so wieso nichts ändern würde. Sie hat mir auch geduldig zugehört.
Später, in einem klareren Moment, habe ich noch mal nachfragt, warum es denn eigentlich keine Pizza mehr gibt. Die Antwort war einfach: Es gibt keinen Teig mehr. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurde dann klar, dass sie den Teig selbst herstellen…

An der Stelle kürze ich es etwas ab, denn der Text wird länger als gewollt:

Nach einem weiteren netten Gespräch und 45min später hatte ich eine verdammt leckere Pizza vor mir stehen und daneben ein kühles Carlsberg vom Faß. Als weiteres stellte sich heraus, dass es vom Café zu unserem Campground eine private „low tide route“ gibt, welche nicht offiziell auf der Karte eingezeichnet ist. Von hier aus brauchen wir nur noch 40min zum Ziel, ohne den Berg wieder hochlaufen zu müssen. Und es war ja gerade low-tide Zeit!;)…

PIZZA GUT – PANNE HAPPY – ALLES GUT! ?

Ps. Wir waren froh das wir die Rucksäcke nicht am Bergabstieg abgelegt hatten, sonst hätten wir zurücklaufen müssen!;)

Ein Gedanke zu „Tag 4 – Auf zur Awaroa Bay

  1. :-), die arme Frau- wie verzweifelt muss sie gewesen sein, dass sie Euch doch noch eine Pizza gebacken hat- „mach ich halt noch mal frischen Teig, hab zwar längst Feierabend, aber Hauptsache der Typ hier ist ruhig und quatscht nicht noch ’ne weitere halbe Stunde auf mich ein“ :-)..

    Ich kann mir das lebhaft vorstellen wie Du drauf warst und feier‘ mich grad voll ab *lach*. Echt gut geschrieben die Story 😉 !!

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