Seward – Maritimer Wahnsinn

Huhu Ihr Lieben, 🙂

die letzten vier Nächte haben wir in der Nähe von Seward, genauer am “Lowell Point” verbracht. Die Anfahrt von 270 Kilometer hat das Navi mit 5h berechnet – whaaaaaat? 5h? Was müssen das denn für Wege sein? Hmmm..letztlich haben wir es dann in 3h geschafft ohne das Gesetz zu brechen. Nur die letzten drei Kilometer waren in etwa so, wie wir einen größeren Teil der Strecke erwartet hätten – ein “pothole” an dem anderen. Wer uns von außen im Auto beobachtet hat, sah wahrscheinlich nur “Head banger” vorbei rollen. 😉 Nach ca. 20 min hatten wir dann auch diesen Weg passiert und waren endlich am Campground.

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Zurück in Seward haben wir für den zweiten Tag eine 8 Stündige Bootstour durch die Kenai Fjorde mit Besuch am Aiakil Gletscher und Wildlife Viewing gebucht. Anne hatte diese bereits zuvor im Internet gefunden, wir wollten aber noch warten bis wir eine ungefähre Wettervorhersage bekommen. Sonne war für Dienstag und Wolken für Mittwoch gemeldet. Leider war der Dienstag bereits komplett ausverkauft, also ging nur noch Mittwoch. Einige Tage zuvor haben wir ein paar Leute aus Colorado kennengelernt, Sie haben zufällig die gleiche Tour gemacht und so davon geschwärmt, dass der Schmerz beim Bezahlen der Tickets von ca. $200 pro Person etwas gelindert wurde!;)..und so viel kann ich schon sagen, am Ende des Tages war der Preis vollkommen vergessen und es ALLE MAL Wert!

Mittwoch, morgens 10:00 Uhr. Das Boarding ist abgeschlossen und alle haben Ihren Platz in dem “Katamaran” eingenommen (etwas über 160 Personen). Jeder hat zu Beginn einen Flyer bekommen mit Bildern von allen Tieren die während der Fahrt gesehen werden “könnten”. Jedes Tier das man Live gesehen hat konnte dann im Flyer mit einem Kreuzchen markiert werden. Das Wetter – der Himmel war bewölkt, aber sonst klare Sicht. Das Boot fuhr aus dem Hafen und nach den Sicherheitsanweisungen ging es auch gleich an das Deck, Richtung “Bug” – oder auch 12:00 Uhr – wie es auf diesem Schiff üblich zusagen ist. Alle Himmelsrichtungen wurden in Uhrzeiten angegeben, damit war die schnelle Orientierung wesentlich leichter!:) Die Landschaft von der See aus wahrzunehmen war echt schön. Links wie rechts die hohen und teilweise noch begrünten Berge, einer neben dem anderen und zwischen manchen Bergspitzen leuchtete in aller Ruhe ein “blauer” Gletscher hervor. Doch plötzlich eine Durchsage vom Kapitän: Auf 12:00 Uhr, ein “humback Whale”. Ein Wahl? Sofort Kamera raus!;)
Ein Buckelwal Weibchen hat immer wieder ihre Flosse aus dem Wasser gestreckt und wieder in das Wasser platschen lassen. Ab und an mal eine 360 Grad Drehung und dann wieder Flossen platschen. 🙂 Man war echt davon überzeugt, dass das Tier seinen Spaß daran hatte!:) Nach einer Weile haben wir dann wieder abgedreht, um das “Wildlife” nicht zu sehr zu bedrängen. Also ging es weiter auf der Reise Richtung Aiakil Gletscher – der weiteste Punkt dieser Reise. Inzwischen waren auf dem Bug wieder nur eine Handvoll Leute, wer nicht die richtige Kleidung angezogen hatte, den hat es nicht lange auf dem Deck gehalten!:)

Dann kam auch schon die nächste Durchsage – Killer Wale (Orca Wal). Was echt? Diese Tiere “anzutreffen ist ein echter Glückstreffer” – da sie nur auf der Durchreise sind und für heute wurde eine 40% Chance ermittelt (wie auch immer das errechnet wird). Und Tatsache – da waren Killer Wale zu sehen in der freien Natur. Natürlich haben wir “Respekt” gezeigt und aus der entsprechenden Entfernung das Schauspiel genossen.
Mit dem Handy war da nicht viel zu machen, aber mit dem Fotoapparat haben wir ganz gute Bilder hinbekommen. Aber es kommt noch besser. Lasst es mich so beschreiben – wir biegen rechts ab und in dem neuen Fjord tauchen wieder 4 Killer Wale auf. Alle waren total aus dem Häuschen – wir haben uns langsam angenähert und plötzlich gibt es rechts auf ein Uhr ein “Blow off” und ein “humbpack” ist aufgetaucht. Das ist zu viel des Guten – so ein Verhalten ist A-Typisch, normalerweise halten sich alle Tiere von dem Boot fern. So schnell wie er da war, war er auch wieder abgetaucht. Alle haben verzweifelt die Wasseroberfläche abgesucht doch er hat sich nicht mehr blicken lassen. Bis zu diesem Moment als ein ehrliches “Oh my god” durch die Front des Bootes hallte und das war nicht übertrieben – der Buckelwal – er war direkt vor unserem Bug ganz nah an die Oberfläche gekommen und ist vor uns geschwommen. Es war ein absolut magischer Moment – das werden wir wohl das ganze Leben nicht mehr vergessen. Aber wisst ihr was – wir haben es auf Video – erste Reihe – und möchten es mit Euch TEILEN!!!!;)

Von dem Erlebnis absolut schwer beeindruckt waren wir uns sicher, dass kann heute nichts mehr toppen. Also ging es weiter zum Gletscher – von weitem konnte man ihn jetzt langsam sehen und irgendwie auch spüren, denn die Temperatur wurde niedriger je näher wir kamen. 5 Minuten bevor wir den Gletscher erreichten – erneute Durchsage vom Kapitän – auf der linken Seite am Steinstrand läuft ein Schwarzbär. Wie Geil (sorry, das muss man einfach sagen). Wieder waren alle total aus dem Häuschen. Der Bär ist sowas von gemütlich am Strand entlang gelaufen, ihn hat nichts aus der Ruhe gebracht. Nicht  einmal das laute Grollen (wie ein Gewitter) im Hintergrund. So ein Bär sieht echt kuschelig und nett aus – aber man muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, der einzige Bär der einem näher kommen darf, ist und bleibt der “Charmin Bär”!:) haha
Der Kapitän hat noch erklärt, dass Sie den Bären gerade das 5te Mal in dieser Saison sehen – einfach nur Glückstag.!:)  Kurz darauf haben wir auch schon den Gletscher erreicht und schon wieder dieses “knacken und grollen” – das kam aus dem Gletscher! Wow – Wahnsinn wie laut und weit es zu hören ist! Diese “Sounds” werden auch “the white thunder” genannt und das ist absolut treffend!! Es ist echt verrückt wie stark der Gletscher die Temperatur runter kühlt – wie ein riesen Eisfach im Kühlschrank. Während wir auf dem Wasser trieben knackte und knallte es immer wieder – Eis brach ab – neue kurzzeitige Wasserfälle kamen zum Vorschein (Tau-/Regenwasser). Es war echt spannend das Mitzuerleben. Auf dem Rückweg kamen wir wieder an unserem Freund dem Bär vorbei – er war immer noch am Steinstrand unterwegs. Inzwischen hatten wir etwas über 3h Bootsfahrt hinter uns. Das neue Ziel: Fox Island. Hier wartet ein Dinner mit Salmin, Rib-Eye-Steak und (musste vorbestellt werden) King Crab Legs.:)

Die Rückfahrt ging einen leicht anderen Seeweg, vorbei an riesigen Felsen die wie Inseln aus dem Wasser ragen. Felsen auf denen die Vögel ihren Sommer verbringen. Felsen die Menschenleer und so gut wie “frei” von natürlichen Feinden sind. Es waren unzählige Vögel da an Land und zu Luft – in der Sommerzeit (Juni, Juli) ist das Erlebnis wohl noch intensiver. Am coolsten sind hier die “Puffins” (aka Papageientaucher). 🙂 Die sind mitten in der Wintervorbereitung und fressen sich richtig rund. Manche waren so schwer – sie wollten vor dem Boot weg fliegen – haben es aber nicht in die Luft geschafft und konnten wenigstens mit aller Kraft weg paddeln. Der Kapitän war auch ein echter FAN von ihnen;)

Auf Fox-Island angekommen wurden wir richtig gut verpflegt – Seefahrt macht hungrig!;)
Nach einer Stunde haben wir wieder abgelegt – alle Gäste waren im Innenraum und ich habe es mir am Bug bequem gemacht und die Einsamkeit genossen. Doch das Vergnügen weilte nicht lange – die Fahrt gerade frisch aufgenommen – sehe ich weit entfernt vor uns irgendwas im Wasser hoch und runter hüpfen. Es hat eine Schwertflosse (wie der Orca) ist aber echt schnell – dann meldet sich auch schon der Kapitän mit “es ist unglaublich was wir heute alles sehen”. Dalls Porpoise – in Deutsch Weißflankenschweinswale. Die waren rasend schnell, erst links, vor uns, unterm Boot, vor dem Boot, rechts, unter Wasser – sie zu fotografieren war eine echte Herausforderung. Sie waren so Lebhaft wie kleine Kinder – sowas haben wir noch nie gesehen. 😀

..und ich übertreibe es wirklich nicht, zum Schluss wollte uns das zweitgrößte Säugetier der Erde auch noch kurz “Huhu” sagen. Und damit war das letzte offene Kreuzchen im Flyer gesetzt. Leider war der Grauwal nur mal kurz da. Aber er hat uns noch kurz besucht – was für eine unglaubliche Bootstour!!! :))))

Zurück an Land haben waren wir noch mal im Visitor Center und haben mit den Rangern über unser Vorhaben am nächsten Tag gesprochen, insbesondere den Wetterbedingungen. Denn wir werden einen Berg entlang eines Gletschers aufsteigen bis hoch zum “hardening field” und da wollen wir keine bösen Überraschungen. Allerdings hat während der Unterhaltungen das ganze Gebäude so komisch geschwankt mal stärker mal schwächer. “Landsickness” sagten die Ranger mit einem Lächeln – das hat man nach einer Bootsfahrt. 😛

..und dann zurück zum Campground über den “Headbanger” Weg!;)

Um den ohnehin schon langen Artikels nicht zu überstrapazieren haben wir nur eine Auswahl der gesehenen Tiere hier erwähnt. Aber diese Bootsfahrt wird uns immer in Erinnerung bleiben – und wer die Chance darauf hat – UNBEDINGT MACHEN!!!!!
Kenai Fjord Tours!!!

Das Video mit dem Wal:

Liebe Grüße
Eure Weltenbummler

Ein Gedanke zu „Seward – Maritimer Wahnsinn

  1. Waaaaaaaaaassssssssss muss ich denn da geiles lesen (muss ich jetzt auch mal schreiben 😉 Klasse Bericht! Hätte ich jetzt auch Lust drauf. Aber nein, ich muss ja bei 30°C hier rumsitzen *G*

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