Panne fällt aus allen Wolken…

Kia Ora Ihr Lieben,

heute schreibe ich (Pat) euch aus Taupo und ich freue mich sehr – nach längerer Pause – einen Bericht zu veröffentlichen. Das Thema heute ist wortwörtlich Atemberaubend!

Alles begann mit einer Inspiration durch ein T-Shirt und der Weisheit „fear is temporary, achievement is permanent“. Was so viel bedeutet wie „Angst bleibt nur für den Moment, ein erreichtes Ziele bleibt für immer“. Diese Weisheit und der daneben aufgedruckte Fallschirmspringer hat uns von Ecuador bis nach Taupo begleitet und aus einer Inspiration wurde jetzt Wirklichkeit! 🙂

Mittwoch, 11. Januar 2017, vormittags.

Wir sind zurück vom Baden im heißen Fluss und bereiten uns auf die Weiterfahrt nach Taupo vor. Eine Frage musste ich mit Natalie (unserer Busfahrerin) zuvor aber noch klären und die Antwort auf meine Frage: „ob es heute noch klappt“ ließ mein Herz sofort schneller schlagen. Jetzt war es fest ausgemacht! Wir (Anne & Pat) werden heute Nachmittag einen Tandem-Fallschirmsprung aus ca. 3600m Höhe wagen!!!:)

Ich habe zuvor schon einiges über Fallschirmspringen gelesen, besonders ist mir das Buch mit dem Titel „Sprung durch den Spiegel“ in Erinnerung geblieben. Hier beschreibt der Autor Zeile für Zeile seinen ersten Fallschirmsprung und ich war begeistert. Aber ab heute kann ich von meinen eigenen Erfahrungen berichten. 🙂

Mittwoch, 11. Januar 2017, nachmittags (13.00 Uhr)

Wir betreten das Büro von „Skydive Taupo“, der Blick fällt direkt auf das große Panoramafenster gegenüber der Tür und hat einen perfekten Blick auf die Vorbereitungen der nächsten Fallschirmspringer und der Startbahn. Gute Musik und ein freundliches „Hey“ strömt unseren Ohren entgegen. Die Anmeldung verlief schnell und reibungslos, Name, einige persönliche Fragen bzgl. Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Schwindel, Gewicht und schon ist so ziemlich alles geklärt. Dann ein kurzes Zögern beim Haftungsausschluss, die Erinnerung daran, dass es kein Spiel ist! Es ist das zweite Mal, dass wir dieses Dokument unterschreiben und beim Durchlesen durchfährt mich immer ein unwohles Gefühl. Auf der Death Road (Bolivien) kann man noch vieles selbst bestimmen, aber hier beim „Skydive“ ist das anders.

Aber:

  1. Die Skydive „Company“ macht einen sehr professionellen Eindruck und hat super Reputationen! 2. Wir haben versprochen den Ö nicht alleine in Taupo zurück zu lassen… 3. Wir wollen diese Erfahrung „Skydiving=Fallschirmsprung“ unbedingt machen!!!

…also gibt es die Unterschrift!! 🙂

Damit haben wir auch die Voraussetzungen für den nächsten Schritt erfüllt, die allgemeine Sicherheitseinweisung. Dazu gab es noch die Möglichkeit zum Basis Paket (Skydive aus 12000ft) noch weitere Extras wie Handykamera, zweiter Kameramann oder weitere 3000ft hinzuzufügen. Letztgenannte Option bedingt dann eine Sauerstoffmaske im Flugzeug und bringt weitere 20 Sekunden freien Fall. Das klingt alles sehr verlockend, aber für den ersten Sprung haben wir es dann doch beim Basispaket belassen! 😉 Soweit hatte sich alles ganz gut und einfach angehört, aber am Ende der Einweisung gab es doch noch die notwendige Information, die mein restliches Bisschen Gelassenheit endgültig dem Erdboden gleichgemacht hat. Sekunden vor dem Absprung muss man sich an die Türkante setzen und lässt die Beine aus dem Flugzeug baumeln. Damit hatten Sie mich! Die Nervosität machte sich breit und hat sich mit der Stimme im Kopf vereint: „Was machst Du hier eigentlich“? Bevor ich tiefer darüber nachdenken konnte wurden unsere Namen auch schon aufgerufen: „Anne, Patrick und 5 weitere Personen – ihr seid die ersten…“. Perfekt, so bleibt weniger Zeit, um über das Aktuelle nachzudenken, doch wie wir später erfahren werden, sollte es noch besser kommen! Aber jetzt war es erst mal an der Zeit die Kleidung anzulegen: Overall, Tandem-Gurte, Ledermütze und Schutzbrille und zack waren wir erfolgreich zu Flughörnchen transformiert und bereit los zu legen!!!:) Was einem ab diesem Zeitpunkt durch den Kopf geht? Nicht mehr viel! Die Aufmerksamkeit steigt mit dem Adrenalin und das Gedächtnis wird kürzer. Aber überzeugt euch selbst, was uns durch den Kopf ging – mit Ö’s Unterstützung haben wir ein kurzes Interview vor und nach dem Absprung aufgenommen: Das Video findet ihr ganz unten im Blog. 

Nun war es also soweit, alle Flughörnchen stiegen mit ihren Buddies in das Flugzeug und ich wollte auch los, als mein Skydive-Buddy mir auf die Schulter klopfte und sagte „warte einen Moment, wir steigen als letztes ein“. Als letztes? (zum Glück wurde meine fiebsige Stimme von dem Flugzeugmotor übertönt). Das bedeutet auch, ich sitze an der durchsichtigen und bei erreichter Flughöhe geöffneten Tür? Als ich dann wieder denken konnte, wurde mir auch schnell klar, bei nur einem Ein-und Ausgang im Flugzeug gibt es auch nur eine Regel, „wer als letzter kommt, der fliegt als erster“!!! …meine Gedanken dazu schreibe ich hier nicht hin lach

Nach diesem Moment der Wahrheit hat sich langsam eine innerliche Ruhe eingestellt. Es war unser eigener Wunsch, also war es jetzt an der Zeit das Kommende zu genießen! Anne saß mir direkt gegenüber. Sie war als zweites Flughörnchen geplant und hatte somit auch eine super Aussicht aus dem Flugzeug – die sie ganz offensichtlich genoss. Die Flugzeit von 15-20min haben wir mit dem Bewundern der wunderschönen Landschaft verbracht. Ein See von der Größe Singapurs, umzingelt von einer Bergkette, sieht bei dieser Entfernung und Sonnenschein echt phantastisch aus. Zwischendurch hat haben uns die Skydive-Buddy immer wieder von der Aussicht abgelenkt und neue Instruktionen für die erreichte Höhe gegeben. Bis zu dem Moment, als alle Vorbereitungen erledigt waren und die Tür geöffnet wurde. Oh mein Gott – jetzt ist es soweit und alle unwichtigen Gedanken hat es direkt mit aus dem Flugzeug gezogen. Gerade so, dass man noch die Anweisungen im Kopf hat! 😉

Nun war mein großer Auftritt, ein zögern gibt es nicht. Der Zeitplan ist eng, alle 10 Sekunden muss einer springen. Also los – wie wir es geübt haben – und plötzlich ging es einfacher als ich mir es vorgestellt hatte. Die Beine sind draußen und der Wind zieht die Beine mit ganzer Kraft Richtung Heck. Es geht tief hinunter, aber es ist keine Zeit für Angst – wir müssen dem Protokoll folgen – also Beine unter den Flugzeugrumpf beugen – Kopf nach hinten – das Adrenalin genießen und dann kam der Abstoß. Was dann folgte ist unglaublich und habe ich bisher noch nie erlebt! Selbst beim Schreiben dieser Zeilen durchfährt es mich wieder. Wie eine kalte Faust die einen packt und mit ungeahnter Kraft nach unten zieht. Die Beschleunigung ist extrem, innerhalb von 6 Sekunden hat man mit seinem bloßen Körper schon 200km/h erreicht. Das Adrenalin ist nicht geizig, die Stimme am Versagen, aber von Angst keine Spur. Ganz im Gegenteil: ES IST EIN WAHNSINNIG GEILES GEFÜHL und man möchte es nur so raus brüllen!! Von der Geschwindigkeit bekommt man erst mal nichts mehr mit. Dabei haben wir schon über die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als mein Skydive-Buddy mir den Höhenmesser gezeigt hat (5700ft) – Tendenz fallend! 😉 Auf jeden Fall verstand ich, dass er gleich den Schirm öffnen wird. Ehrlich gesagt weiß ich diesen Moment nicht mehr zu hundert Prozent, aber der Ruck war nicht annährend so stark wie erwartet. Und dann folgte direkt das nächste Highlight. Der Fallschirm war offen und man fühlt sich schwerelos. Es ist windstill und die Aussicht aus dieser Höhe – ohne die schützende Schicht eines Flugzeugs – ist überwältigend!!! Ich hing einfach so rum und habe den Moment voll ausgekostet, bis ich den Lebenswillen meinen Skydive-Buddy plötzlich anzweifeln musste!! „Übernimm Du“, tönte seine Stimme und direkt darauf folgten seine Arme mit den Steuerungsseilen für den Fallschirm!! Der erste Gedanke war „Oh yeah“ und „alles, nur nicht daneben greifen“ – der Zweite! 😉 ..und schon hatte ich die Steuerung für den Schirm. Hui – mal linksherum – mal rechtsherum – das war sogar recht einfach (wahrscheinlich genau so lange wie man kein direktes Ziel anfliegen muss). Aber eins hatte ich noch auf Herzen. Das habe ich bei anderen Springern beobachtet und meinen Buddy gefragt, wie das funktioniert. Seine Antwort: „Ganz einfach, links ganz nach unten ziehen und halten“. Es dauerte einen Moment und dann schraubten wir uns in einer Geschwindigkeit linksdrehend nach unten das es in meinen Bauch nur so kribbelte – ich konnte nur schreien und lachen – aber es geht noch besser. Aus der Linksdrehbewegung kann man im gleichen Ruck auch rechtsdrehend machen. Der Wechsel erzeugt so ein krasses Bauchgefühl. Ich liebte es von der ersten Sekunde!! Das hat mir so gut gefallen das wir das 3-4 Mal hintereinander gemacht haben, doch mussten wir dann stoppen damit wir uns nicht in den Boden schraubten! 😉

Die Aufgabe der Landung hat natürlich mein Buddy wieder übernommen und super hinbekommen. Anne war auch kurz darauf zu sehen und die Begeisterung konnte ich schon aus der Ferne erkennen. Sie war ebenfalls voller Adrenalin und ihre Augen leuchteten nur so! Kaum hatten wir den Boden berührt, war klar wir sind jederzeit bereit noch mal in ein Flugzeug zu steigen und zu springen! 😉

Für Anne gab es noch einen ganz besonderen Moment. Da ich ja als erster aus dem Flugzeug gesprungen bin, hat sie mich sozusagen aus dem Flugzeug fallen sehen. Das war für sie ein ganz eigenartiges Gefühl – sie meinte nur „plötzlich war ich aus dem Flugzeug gefallen und sie hat nur noch einen kurzen Schrei gehört. Zum Glück war sie direkt die Nächste und stürzte sich hinterher ;-)“…

Also liebe Panneleser, die „Panne-Flughörnchen“ haben ihren Fallschirmsprung genossen und der Ö hat für euch ein paar Aufnahmen vom Boden gemacht!

Grüße aus Neuseeland,

PannÖ

Ein Gedanke zu „Panne fällt aus allen Wolken…

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