Der Denali im Zauberkleid- natürlich nur für Panne…

Am Mittwochfrüh sollte es also beginnen, unser Wildnisabenteuer Nummer Eins. Nachdem die Rucksäcke gepackt und die Zelte abgebaut waren, stellten wir unsere mobile Chryslerwohnung am Overnightparkplatz ab und stiegen um 11 Uhr in einen dieser legendären grünen Denali- Busse. Irgendwie war sofort klar, dass schon die Fahrt im „Camper Bus“ ein Abenteuer für sich werden sollte. Wir pressten uns in die typisch amerikanischen Ledersitze, machten die Kameras startklar, naschten noch ein- zwei unserer inzwischen heiß und innig geliebten Twix und ab ging’s. Entlang der etwa 140 Kilometer langen „Park Road“ durch den Denali. Über sechs Stunden waren im Fahrplan angegeben und: die waren auch notwendig, denn der Bus stoppte nicht nur an den Plumpsklostationen unterwegs (die übrigens sauberer waren als in so manchem Motel), sondern auch auf Zuruf der Fahrgäste, zum Beispiel wenn Tiere in Sichtweite waren. Unser Busfahrer machte uns auf den wunderbar blauen Himmel und den strahlenden Sonnenschein aufmerksam, die wir vor lauter Abbau- und Umpackstreß noch gar nicht richtig bemerkt hatten. Er schwärmte förmlich über das Wetter und schon nach ein paar Kilometern wurde uns auch klar warum: da strahlte uns ein riesiger puderzuckerbedeckter Berggipfel an- der Mount McKinley- oder auch Denali. Mit 6.190 Metern der höchste Berg Nordamerikas und -was die Höhe der Bergwand vom Boden aus gemessen angeht- sogar der höchste der Welt. Anne war jetzt schon förmlich aus dem Häuschen und überglücklich. Später erfuhren wir auch noch einmal wie besonders das ist. Im Visitor Center malten die Nationalparkranger jeden Tag ein kleines Bild über die Wetterlage und die Sicht zum Denali. Und seit Ende Mai gab es vielleicht so 10 Tage, an denen richtig klare Sicht herrschte- und einer davon war nun also heute. Wir hatten übrigens gedanklich eine Art Checkliste erstellt, von Dingen die wir unbedingt sehen wollten. Mit dem wolkenfreien Blick zum Denali hatten wir also Check 1. Aber es sollte noch besser kommen- später ;-).

Die Fahrt war von vielen „Aaaahhss“ und „Oooohhss“ geprägt, man findet kaum passenden Worte, um diese über 24.000 qkm große Wildnis zu beschreiben. Ich versuch es trotzdem mal und Ihr versucht, Euch das vorzustellen: also lesen, Augen zu, vorstellen und zur Kontrolle dürft Ihr dann auch die Fotos anschauen. Eine schier unendlich scheinende Welt aus Bergen, dazwischen große Täler, die meist von gigantischen Flussbetten durchzogen werden, Wasserfälle, Tundravegetation mit kleinen Nadelbäumen und bodendeckenden Sträuchern. Die nicht asphaltierte Straße durch den Park ist nur für die Busse zugelassen und so wird man recht schnell vom Gedanken erfasst in einer echten Wildnis zu sein. Mal passiert man einen Bergpass, mal ein Flussbett und so geht es tatsächlich auch Auf und Ab. Der Handyempfang wird jedem Besucher quasi am Parkeingang entzogen und das ist auch seeehr gut so :-).

Am Anfang kam noch ein Ranger in den Bus, von ihm gab es letzte Instruktionen zum Wildlife. Und das führte uns noch einmal klar vor Augen wo wir waren. Also wird man vom Bären überrascht, soll man Bärenspray nutzen, sich groß und breit machen, laut sein und: nicht weg laufen! Ohje, ob wir das hinbekommen 🙂 ?! Aber überraschenderweise scheint der Elch nicht weniger gefährlich. Mit über zwei Metern Höhe kann so ein Bulle einen kleinen Touri schon mal per Geweih aufgabeln. Hier hilft dann nur rennen- angeblich gibt er schnell auf, denn Marathon steht nicht auf seiner Liste der Lieblingsbeschäftigungen. Wir hatten natürlich Tiere erwartet, viele Tiere. Und die gibt es dort auch- massenhaft: Braunbären, Grizzlybären, Wölfe, Füchse, Elche, Karibus- um nur die größten zu nennen. Doch mussten wir lernen, dass in einer derart gigantisch großen Landschaft -ohne Zäune, Straßen, Bebauungen- die Tiere so viel Platz haben, dass man sie dann doch nicht jederzeit und an jedem Ort sehen kann. So wird die Fahrt sehr kurzweilig, denn man hält ständig Aussicht in alle Richtungen. Einen riesigen Elch hatten wir schon nahe am Bus gesehen, später kam eine Bärenfamilie dazu- aber leider doch in sehr weiter Entfernung. Panne’s kleine Kamera wurde hier zur wahren Wunderwaffe, denn nur damit konnten wir die Bären wirklich gut ran zoomen und knipsen. Viel mehr hatten wir auch nicht gesehen auf der langen Fahrt- aber das war ja auch erst Tag eins. Unser Ziel war der „Wonder Lake Campground“. Der letzte von fünf Campingplätzen, die es entlang der Straße gibt. Der letzte deshalb, weil er ganz am Ende ist- dort wo gar nichts mehr kommt und auch die Straße endet. Hier am Wonder Lake gibt es auch keine Wohnmobile, keine Autos, kein Strom, kein warmes Wasser, keine Duschen, keine Kühlschränke oder sonst was. Nur Zelte- so um die 20 Plätze. Inmitten vom Paradies. Wir wurden von tausenden Moskitos begrüßt, die uns beim Zelt aufbauen nicht vom Pelz weichen wollten. Nach ’nem lecki Süppchen und Käffchen von unserem Kocher hieß es mit eiskaltem Seewasser abwaschen, aber zumindest kam es aus einem richtigen Wasserhahn. Alle Sachen, also die kompletten Rucksäcke, mussten dann in ein separates Holzhaus gebracht und eingeschlossen werden, damit die Bären nicht Lunte riechen und nachts an unseren Zelten knabbern. Es war gar nicht so einfach, alle Regeln zu befolgen. Nudelwasser durfte nicht in den Boden gelangen- also gar kein Brauchwasser. Uns blieb nur, mit den fertigen Nudeln über den halben Campground zu laufen bis zum einzigen Waschbecken oder eben das Wasser in irgendwelchen Gefäßen zu fangen und später weg zu bringen. Aber so ist es halt- das Wildlife. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass wir von einem Luxus überrascht wurden: wassergespülte Toiletten.

Nachdem die „Hausarbeit“ erledigt war, zauberten wir zwei Weinflaschen aus den Rucksäcken, mit denen wir diesen besonderen Tag feiern und ausklingen lassen wollten. Wie bestellt malte uns die Sonne tausend Farben in den Abendhimmel und tauchte die Bergkette vor uns in ein magisches Licht. Auf der einen Seite ging die Sonne, auf der anderen tauchte plötzlich ein gigantisch großer Vollmond hinter den Bergen auf und versuchte, die Sonne an Magie zu übertrumpfen. Der schneebedeckte Denali war nun in ein Blau getaucht, was uns schier die Sprache verschlug. Wir konnten gar nicht aufhören, Fotos zu schießen. Panne hatte übrigens dann noch ihren Lacher des Tages zwischendurch. Beide stellten dem Ö ne Frage, aber anstatt darauf zu antworten erschlug der nen Moskito mitten auf der Stirn. Ich weiß bis heute nicht, was es da zu feiern gab. Naja :-). Irgendwann wurde es dann doch ziemlich kühl, oder der Wein war alle, oder beides- auf jeden Fall haben wir uns in die Zelte gehauen und während des Einschlafens gelauscht, ob ein Bär im Anmarsch ist. Und dabei fast überhört, was wir nicht gehört haben. Nichts. Einfach nichts. Alle anderen Camper schlummerten schon und da war es zu hören: keine Geräusche, kein Flugzeug am Himmel, nicht einmal Wind. Nichts. Wahnsinnig toll!

Diesen Text schreibe ich übrigens gerade über Grönland (bin leider schon auf dem Heimweg). Der Flug dauert 10 Stunden- wundert Euch also nicht, warum ich diesmal sooooo viel Zeug schreibe :-).
Ich kürz jetzt aber mal den nächsten „Wonder Lake“ Tag einfach ab: wir sind durch die Wildnis gewandert, haben dabei kiloweise Blaubeeren gepflückt und vernascht und mit viel Müßiggang die Natur um uns genossen.

Am nächsten Morgen war erstmal Camperhärte gefragt. Es fahren nur drei Busse täglich rein und wieder raus. Da wir später noch nach Fairbanks weiter wollten, mussten wir einen der frühen Busse nehmen und der späteste frühe fuhr um 8. Das heißt aber vorher noch frühstücken, Zelte abbauen, Rucksäcke packen. Also um 6 aufstehen. Das war hart 🙂 !! Aber geplant, getan: um 8 saßen wir im Camper Bus und es ging erneut durch den Park. Unser Busfahrer ernannte in seiner typisch- nordischen Gemütlichkeit gleich mal die Anne zu seiner Assistentin. Warum? Der Bus hält entlang der gesamten Strecke auf Winken an, lädt Wanderer von jedem Punkt aus ein, und auf Wunsch auch wieder aus. Das Gepäck lagert ganz hinten im Bus und wird durch die Hecktür ausgeladen. Und damit der Fahrer nicht jedes Mal nach hinten laufen und die Tür öffnen muss, durfte diesen Job Anne erledigen. Hat sie echt toll gemacht 🙂 ! Heute war es nebelig, der Denali wieder hinter den Wolken verschwunden und wir: müde. Aber zum pennen blieb keine Zeit, haben wir doch ne Menge Karibus unterwegs gesehen und: einen Bären. Aber was für ein Orschigeiles Teil. Er war nur runde fünf Meter neben unserem Bus am Blaubeeren pflücken und ließ sich durch uns nicht davon abbringen. Also Fenster im Bus runter und Bearwatching- yeah- war das ein Erlebnis !!!

Am Visitor Center angekommen, hielt uns nach drei Tagen Wildnis nichts mehr: Handys schnappen, ins Center, und: WiFi :-). Gefühlte zwei Stunden lang haben wir erstmal unsere Smartphones hin und her gestreichelt, Strom gezapft und geschaut was die zivilisierte Welt inzwischen so getrieben hat. Nachdem dieser Hunger halbwegs gestillt war, ging es in Richtung Fairbanks. 130 Meilen mit unserem wieder bis unter’s Dach beladenen Chrysler. Fahrer Pat steuerte uns sicher zum Eingang vom Motel „Super8“- in dem aber so rein gar nichts super war. Doch okay, das Zimmer war schön groß für uns drei- jeder hatte also ein eigenes Bett :-). Die speckigen Matratzen und Bettlaken haben uns trotzdem kaum gestört, einfach nur heiß duschen, in ein Bett legen und dann essen- das war der Plan. Wenn Ihr die IKEA- Werbung mit den Backpackern kennt: stellt Euch das einfach so ungefähr vor :-). Neben dem Motel war ein „Wendy’s“. Geil. Essen. Nix wie hin und den fettesten und größten Burger bestellen. Es stand aber trotzdem noch Wäsche waschen, Rucksäcke umpacken und Panne-Bericht schreiben auf dem Tagesplan. So wurde es irgendwas um halb 2 rum, als wir dann todmüde einschlummern durften.

Denali- Check: wir haben in der Wildnis übernachtet, den Berg Denali gesehen und Bären, Elche, Karibus. Alles abgehakt. Das war schon mal echt der Wahnsinn. Mal sehen wie es weiter geht- eine Woche Alaska liegt nun noch vor uns.

Wilde Grüße von Euren Weltenbummlern plus Ö !!!

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