„Bife de lomo“ in Argentinien: endlich Steaks für Panne!

Hallo ihr Lieben,

da sind wir schon wieder. Wie im letzten Artikel bereits angekündigt, wollen wir euch die Eindrücke von Argentinien nicht vorenthalten. Die letzten anderthalb Wochen haben wir im Land der Steaks verbracht – es war ein Genuss! Nachdem wir in San Pedro de Atacama (Chile) gewesen sind – ihr erinnert euch vielleicht an die Schilderungen unserer Fahrradtour – ging es mit dem Bus nach Salta in Argentinien. Salta liegt im Nordwesten von Argentinien und ist vor allem für seine Kolonialbauten aus der Zeit der Spanier bekannt.

Zunächst fiel uns erst einmal auf, dass es in Argentinien viel geordneter zuging, als es noch in Ecuador, Peru oder Bolivien der Fall war. Vieles wirkte zunächst sehr europäisch auf uns! Im Bus von Chile nach Salta gab es einen „Reisebegleiter“

der Tee und Plätzchen verteilte und der nach jedem Service den Boden im Bus wischte! So was haben wir noch nie erlebt 🙂 ! Aber zum Glück wurden wir direkt nach unserer Ankunft am Busterminal (nach 12h Fahrt) doch daran erinnert, dass wir noch in Südamerika sind! Nach so einer langen Busfahrt wünscht man sich nichts Sehnlicheres, als schnell ins Hostel zu kommen. Das geht in Südamerika mit dem Taxi immer noch am besten und ist auch kostentechnisch vergleichsweise günstig. Mit Silke (eine deutsche Weltenbummlerin und neu gewonnene Freundin, die wir seit Peru kennen und regelmäßig treffen), sowie Giacomo (einem Mailänder) ging es zu den Taxis. Aufgrund des vielen Gepäcks passen immer nur 2 Personen ins Taxi (ein Rucksack fährt hier immer auf dem Beifahrersitz mit), also haben wir uns aufgeteilt. Silke und Giacomo fuhren zuerst los und wir wollten das nächste Taxi nehmen. Wir zeigten dem Fahrer unsere Adresse, aber dieser pallaberte irgendetwas auf Spanisch und signalisierte uns, dass er da nicht hinfahren wird. Was war los? Wir haben erst mal nix kapiert! Wir wollten dann in das Taxi dahinter einsteigen, aber das ging auch nicht, die Reihenfolge musste eingehalten werden oder so ähnlich. Zum Glück eilte uns ein netter Argentinier entgegen, der eigentlich Leute für ein anderes Hostel abholte, und übersetzte uns auf Englisch, dass unser Hostel den Fahrern nicht weit genug vom Terminal weg liege und sich die Fahrt nicht lohne. Wir sollten doch lieber laufen. Nach so einer 12 stündigen Busfahrt riss mir so „ganz deutsch“ langsam der Geduldsfaden. Was sollte dieser Mist? Unsere Freunde waren doch auch gerade mit dem Taxi für die 2km mitgenommen wurden und wir hatten keine Lust mit unserem schweren Gepäck im Dunkeln durch eine Stadt zu laufen, die wir nicht kannten. Nachdem ich mir in einer kurzen Schimpftirade auf Englisch Luft verschafft hatte (nur zu gerne hätte ich hier einmal für 5 Minuten gerne fließend Spanisch gesprochen), verhalf uns der nette Argentinier zu einem Taxi direkt außerhalb des Terminals. WELCOME to ARGENTINA!

Am nächsten Tagen hatten wir uns vorgenommen, die Stadt ein wenig zu erkunden. Auch hier zeigte sich schnell, dass wir tatsächlich Südamerika nicht verlassen hatten. Eine Straße zu überqueren erschien uns tatsächlich hier im Vergleich zu allen anderen Orten am gefährlichsten, da hier jeder durch die Stadt rast und man als Fußgänger sowieso als letztes drankommt. Fußgängerüberwege oder -ampeln existieren zwar, aber scheinen keinerlei Bedeutung zu haben. Abgesehen von diesen Anlaufschwierigkeiten in Argentinien haben wir uns spätestens nach dem Mittagessen etwas versöhnt. Wir fanden hier ein nettes Restaurant, wo wir mit unseren Freunden erst mal ein richtiges argentinisches Steak genießen konnten. Für umgerechnet 6 Euro! haben wir ein großes Steak mit Salat oder Kartoffelchips bekommen! Und dieses Steak war ausgezeichnet!!! Wir konnten es kaum glauben, nach all dem Hähnchen die vergangenen Wochen in Ecuador, Peru und Bolivien gab es endlich mal ein saftiges Steak! Wir waren alle nur glücklich. Vollgegessen sind wir dann noch ein wenig durch die Stadt geschlendert und haben uns die Gebäude im Kolonialstil und den Park angesehen. Ungefähr so verbrachten wir auch die nächsten 2 Tage: Steak essen und durch die Stadt bummeln.

Wir haben auch einen Ausflug auf den San Bernardo Berg gemacht, von dem man einen tollen Blick über die Stadt und auf die dahinter liegenden Anden hat.

Am letzten Abend in Salta haben wir uns dann noch einmal ein etwas besseres Restaurant herausgesucht, wo wir – na ihr erratet es schon – noch einmal richtig gut Steak essen waren. Wir haben uns neben einer Asado Platte auch ein Entrecòte bestellt. Schaut einfach mal die Bilder an – es war absolute Spitzenklasse!

Von Salta ging es dann weiter nach Cordoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens (nach Buenos Aires). Wir gelangten also nun nach Zentralargentinien. Die Stadt ist vor allem geprägt durch eine hohe Anzahl an jungen Leuten die hier studieren, daher auch die „Stadt der Gelehrten“ und sehr vieler Kirchen. Nach einer Übernachtfahrt im Bus waren wir sehr froh direkt im Hostel einchecken zu können, der Besitzer begrüßte uns persönlich und erklärte uns, dass am Abend ein Asado geplant sei, wofür wir uns eintragen könnten. Asado??? Wir wussten aus Salta bereits, dass es sich hierbei um eine Art Barbecue handelte und dachten, dass probieren wir hier auch noch einmal. Asado ist aber für Argentinier nicht nur ein BBQ, sondern fast schon eine Art Zeremonie oder ein Art Festmahl, das sie einmal in der Woche begehen. Es hat einen sehr hohen sozialen Stellenwert und wir sollten die Bedeutung noch besser kennen lernen. Aber zunächst fielen uns unser deutschen Gewohnheiten auf die Füße. Wie auf dem Schild ausgeschrieben, waren wir pünktlich um 19 Uhr zurück im Hostel und hatten große Hunger. Die nette Dame an der Rezeption schaute etwas ungläubig, als wir fragten wo das Essen sei. Sie erklärte uns freundlich, dass es nicht etwa um 19 Uhr Essen gäbe, sondern man sich bis dahin für das Essen anmelden konnte. Was??? In Argentinien isst man keinesfalls vor 21 Uhr zu Abend, normal ist eher zwischen 22 und 23 Uhr. Aha! Also kein Essen vor 21 Uhr und unser Fleisch vom Grill war erst gegen 22 Uhr angedacht. Meinen Schock darüber konnte ich nicht verbergen und deutet verzweifelt auf das Schild, auf dem Asado und 19 Uhr gekennzeichnet war. Vor lauter Hunger brach kurze Verzweiflung auf, die man mir und den anderen anmerkte. Den Argentiniern (wie wir gelernt haben) ist Gastfreundschaft sehr wichtig und hungrig bleiben sollte keiner. Kurzerhand wurden wir vom Hostel mit Eierkuchen und Frischkäse versorgt, so dass wir danach mit dem Besitzer und ein paar seiner Freunde bei Fernet Branca Cola (das Nationalgetränk der Argentinier, neben Bier) zusammen saßen. Im Verlauf trafen immer mehr Argentinier ein und es bildete sich eine gesellige Runde. Irgendwann gegen 22.30 Uhr war dann auch das Fleisch fertig, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits 2,5 Stunden über der Holzkohle befunden hatte. Für die Grillfreunde: die Holzkohle wurde in einem Gefäß auf dem Grill zum Glühen gebracht und dann regelmäßig nachgelegt, so dass das Fleisch bei gleichbleibender Hitze gegart wurde! Gewürzt wird das Fleisch in Argentinien nur mit Salz! Wir waren gespannt…

An einer langen Tafel aufgereiht, wurde das Asado mit einem Chorizo begonnen, einer Art kleinen groben Bratwurst. Danach ging es dann Runde für Runde mit einem anderen Fleischstück weiter. Wie viele Runden wir eigentlich hatten, haben wir nicht mehr gezählt. Wichtig war einzig und allein, dass das Fleisch (egal welches Stück) zart und saftig war! Das Talent des Hostelbesitzers lag eindeutig in seinen Grillfertigkeiten!!! Begleitet wurde das ganze durch angeregte Gespräche auf Spanisch und Englisch und die Argentinier bemühten sich sehr! Wir verkosteten einheimisches Wein und Bier, diskutierten kurz über das Pech der Argentinier bei der Fußball WM und hatten einen tollen Abend! Am nächsten Tag zeigte uns einer der Argentinier am Abend das Ausgehviertel von Cordoba. Wir schlenderten über einen hübschen Markt, vorbei an tollen Restaurants und Bars zu einem netten Innenhof. Dort haben wir dann bei toller argentinischer Livemusik Essen genossen und ein Bierchen getrunken! Danach gab es dann noch eine Stadtführung bei Nacht. Das muss man den Argentiniern lassen – Gastfreundschaft können sie!!!

Cordoba selbst schien sehr modern, mit Shoppingmalls, Bars und Fastfoodketten steht es europäischen Städten kaum nach. Wir waren sogar im Kino gewesen! Ja richtig gelesen – Kino! Nein wir sprechen noch nicht wesentlich mehr Spanisch als zu Beginn unserer Reise, aber wir konnten uns hier „Fantastic beasts and where to find them“ in der Originalversion auf Englisch ansehen. Zum Glück waren wir mit Silke unterwegs, denn die größte Herausforderung bestand im Kartenkauf. Nochmals DANKE! Mit all diesen Eindrücken ging es für uns ja dann von Cordoba aus zu den Iguazu Wasserfällen (siehe letzter Bericht).

Zuletzt ging es dann noch ein wenig südlicher und zwar in die Weinhauptstadt Argentiniens: Mendoza. Zunächst sind wir mit einem unguten Gefühl Richtung Mendoza aufgebrochen, da 2 Tage zuvor unser Freundin dort in einem Cafe um ihre Wertsachen beraubt wurden war. So etwas passiert anscheinend gerade in Argentinien immer häufiger, da sich die Verhältnisse für die Bevölkerung verschlechtern und v.a. der argentinische Pesos an Wert verliert. In der ein oder anderen Unterhaltung mit Argentiniern haben wir erfahren, dass viele verunsichert sind und selbst Angst haben, so dass sie ihr Eigentum mit hohen Zäunen, Überwachungskameras und Sicherheitsvorkehrungen schützen.

In Mendoza angekommen (mal wieder nach einer Übernachtfahrt mit dem Bus) sind wir direkt zur Unterkunft. Obwohl wir bereits um 8 Uhr morgens ankamen und das Zimmer erst um 13 Uhr hätten beziehen können, wurde uns Frühstück angeboten und das Zimmer kurz darauf zur Verfügung gestellt. Auch hier wieder sehr gastfreundliche Argentinier! Eigentlich hatten wir überlegt, erst am nächsten Tag ein Tour zu den Weingütern zu machen, aber kurzentschlossen haben wir um 13.45 Uhr eine Tour für 14.15 Uhr gebucht. Wir fuhren nach Maipu (kleiner Ort vor Mendoza), wo sich sehr viele Weingüter befinden, sowohl industrielle, als auch kleine private Weinkeller. Zunächst besuchten wir ein industrielles Weingut, verkosteten Sekt und Rotwein. Für die Weinkenner unter euch: in Argentinien ist „Malbec“ die bedeutsamste Weinsorte, gefolgt von Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah (=Shiraz). Von dem Weingut ging es dann zu einer Olivenölfabrik. Das war auch sehr interessant, denn hier stellt man gerade von kalt gepresstem Olivenöl auf maschinelle Prozesse um. Nach dem wir einiges verkostet hatten, stellten wir allerdings fest, dass uns beiden die aus der italienischen Schwesternfirma stammenden Produkte besser schmeckten 🙂 . Danach ging es dann auf ein kleines Weingut, hier verkauft man nur an Privatpersonen bzw. verschickt man nur an sehr spezielle Kunden. Na das klang spannend! Nach dem wir einen Blick in den guten Weinkeller geworfen hatten, verkosteten wir verschiedene Sorten und lernten auch noch einmal die Grundlagen beim Rotweintrinken! Also frisch geschult und gut gelaunt ging es zum Abschluss am Abend noch in eine Schokoladenfabrik. Hier haben wir dann mit Alfajores (eine Art Doppelkeks mit Dulce de Leche), Turròn (ähnlich wie türkischer Nougat) und Kuchen den Tag ausklingen lassen. Nach unserer Tour sind wir dann doch noch ein wenig durch die Stadt geschlendert – ein bisschen Bewegung nach all den Leckereien war notwendig!

An unserem letzten Tag in Argentinien hatten wir uns vorgenommen, noch einmal Steak essen zu gehen. Wir fanden ein nettes Mittagsangebot und sollten auch hier nicht enttäuscht werden. Während ich ein Steak mit Champignons genoss, hatte Pat ein Steak mit Malbecsauce. Unser Mittagsangebot für umgerechnet 10 Euro pro Person umfasste aber nicht nur ein fantastisches Steak, sondern auch ein Eisdessert und ein Glas Malbec! Danach ging es bei Sonnenschein auf einen Verdauungsspaziergang in den San Martin Park.

Wir haben die Zeit in Argentinien genossen und noch vielmehr das gute Essen und die Gastfreundschaft! Zum Glück hat Pat nach all den Problemen in Peru und Bolivien auch wieder zugenommen – also macht euch keine Sorgen! …und das ein oder andere Steak haben wir für euch mitgegessen 😉

 Ganz liebe Grüße,

eure Weltenbummler + Silke!

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