Bärenalarm im Eichhörnchenwald

Hey Ihr Lieben,

Panne haben mich gefragt, ob ich (der Ö) die Urlaubsvertretung als Berichterstatter übernehmen könnte, und: na klar- Urlaubsvertretung kann ich gut. Also dann- probier ich das mal.

Es ist Freitagabend und wir sind heute direkt aus der Wildnis in die zweitgrößte City Alaska’s umgezogen- nach Fairbanks. Gerade im „Super 8- Motel“ eingecheckt, genießen wir heute richtige Betten, eine Dusche, warmes Wasser und: WiFi :-). Anne und Pat haben die Wäsche übernommen und so kann ich Euch von den letzten Tagen berichten.

Direkt am Sonntagmorgen haben wir unser „megageräumiges“ Auto gepackt, erstaunlich was alles in solch einen Chrysler F200 rein passt. Besser gesagt haben wir fast zwei Stunden gebraucht, um alle Klamotten, Rucksäcke & Koffer, Zelte, Schlafsäcke, Kochutensilien, Lebensmittel und Getränke zu verstauen und auch noch selbst ins Auto zu passen. Dann sollte also pünktlich um 10 Uhr unser Abenteuer Denali Nationalpark starten. Wir hatten gute 350 km vor uns. Aber zuvor wollte ich noch etwas von der amerikanischen Kultur kennen lernen. Wo geht so etwas besser als in einem Restaurant  der unzähligen US-Fastfood- Ketten? Wir hatten uns für Breakfast im iHop entschieden und was soll ich sagen? Es war ein echtes Schmankerl :-). Spiegelei mit Würstchen und Speck, dazu Kaffee bis zum abwinken und Pancakes mit Fruchtsoßen. Warum dieses Frühstück für die beiden wie Weihnachten war, habe ich nach ein paar Tagen Camping auch verstanden :-). Chillig düsten wir dann Richtung Norden, schon ein paar km hinter Anchorage verschwand die Zivilisation und wurde von endlosen Wäldern und Tundra abgelöst.

Dazwischen nur einige Roadhouse’s und irgendwo im Nirgendwo mal ein Megasupereinkaufszentrum- und zu unserem Glück sogar auch eine Tankstelle. Gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich den Eingang zum Denali Nationalpark und dort befand sich auch schon unser Basislager für die nächsten Tage- der Riley Creek Campground. Der erste Eindruck: megageil! Jeder einzelne Zeltplatz eingebettet in Wald, ruhig und mit Sitzgruppe. Aber schaut selbst:

Nach einem lecki Frühstück am Montagmorgen nahmen wir einen Shuttlebus zum Visitor Center, dort kurz die Trails im Park abgecheckt und ab ging es zunächst auf einen Rundweg um den Horseshoe-Lake. 5 km. Zur Eingewöhnung- wie sich später heraus stellen sollte. Ein echt idyllischer See, den Biber gebaut und aufgestaut haben. Gesehen haben wir leider keinen der Baumeister, aber auf den Fotos könnt Ihr das Werk der Biber anschauen:

5 Kilometer waren ja nun wirklich recht schnell geschafft- also nahmen wir gleich den nächsten Trail mit. Dieser versprach einen „Overview“ über die Denaliregion und da wir beste Sicht und Sonnenschein hatten, hörte sich das sehr verlockend an. Am Anfang des 10 Kilometer langen Weges trohnte über uns ein gigantisches Bergmassiv, welches auf der Kuppe schon nur noch Geröll zu bieten hatte. Ich meinte noch scherzhaft so “ der Overview wird ja nicht da oben sein“. Spätestens als langsam die Baumgrenze erreicht war und selbst die unten vorbei rollende „Alaska Railroad“ winzig klein erschien, war mir das Scherzen vergangen :-). 1.080 Höhenmeter sollten es am Ende gewesen sein. Ich war mir sicher: das haben die beiden gewusst und mich ahnungslosen Neuankömmling in die alpine Hölle gejagt. Stresstest oder so. Aber umkehren wäre ja so weit oben auch doof gewesen, also hab ich meinen Frust an panne abgelassen und motzend -aber tapfer- den Gipfel erklommen. Oben angekommen überkamen uns neben Sturzbächen an Schweiß lach auch Glücks- und Stolzgefühle, denn der Blick nach unten war atemberaubend schön. So war auch mein Frust schnell vergessen und als noch Twix und Bananen aus dem Rucksack gepackt wurden, war das Leben wieder schön :-).

Der Abstieg war dann easy und bei mir geprägt von Gedanken an eine schaurig- schöne Dusche. Aber ich hatte natürlich panne unterschätzt. 4,50 Dollar pro Person- kein Schnäppchen- aber völlig egal- einfach nur duschen. Kurze Diskussion und zack- wir duschen morgen. Okay dachte ich noch so- morgenfrüh vor dem Frühstück- auch cool. Aber mit morgen meinten sie allen Ernstes morgenabend- nach dem nächsten Wandertag. Mmmhhh- ich hatte mir eines vorgenommen: anpassen und alles mitmachen, was die beiden auch machen. Also: Anspruch mal wieder zurück schrauben und einfach daran denken, dass alle Camper gleich riechen :-). Kurze Zeit später standen Hähnchen in Wodkasoße auf dem Tisch- gezaubert von Anne- und wieder war das Leben schön. Da wir ja im Bärenland unterwegs waren, durfte nichts- aber auch gar nichts- außerhalb des Autos liegen bleiben, da sonst die pelzigen Freunde schnell mit uns zusammen die Nacht verbringen würden. Ein paar Häufchen Bären-a-a nur paar Meter vom Zelt entfernt ließen keinen Zweifel an der Notwendigkeit. So war das Aufräumen abends schon aufwendig: abwaschen, jeden Tropfen Wasser in einen zentralen Ablauf bringen, alles ins Auto räumen, Müll zum Container. Und danach: umfallen- direkt in den Schlafsack. Wir haben echt gut geschlafen- und selbst die heulenden Wölfe in der Nähe haben uns nicht davon abgebracht.

Gegen 10 Uhr am nächsten Morgen saßen wir schon im Shuttlebus zum Savage River. Dieser liegt ein paar km innerhalb des Parks und dort war unsere Wanderroute des Tages. Ein Alpine Trail über einen Bergpass. Easy- waren nur 25 % Steigung enthalten :-). Aber auch heute sollte uns ein toller Sonnenschein begleiten und für beste Sicht über die gigantische weite Landschaft des Denali sorgen. Diese Area sollte laut den Rangern viele Elche und Bären beheimaten. Also wurde ich am Anfang des Weges von panne noch über die Sicherheitsbestimmungen informiert. Der Satz war gerade ausgesprochen: hinter jeder Kurve könnte ein überraschter Bär hocken, deshalb soll man laut sein und klatschen vor der Kurve. Ich mutig vorne weg und dachte noch über den Satz nach, bog um eine Kurve und: eine hastige Bewegung an der Seite. SCHOCK! SCHREI! Bärenalarm! Wo ist das Bärenspray?

Auf den zweiten Blick erblickte ich ein schlecht gelauntes Eichhörnchen, das um seine Tannenzapfe fürchtete und lautstark mit mir schimpfte. Gleichzeitig erschallte von hinten hallendes Gelächter. Tja- schon war der Lacher des Tages da :-). Über den Trail selbst lassen wir mal Bilder sprechen, die sagen mehr als alle Worte über die gigantisch- schöne Landschaft:

Nach einem Abend am Lagerfeuer- und natürlich der lang ersehnten Dusche- packten wir am Mittwochfrüh unser Hab und Gut um- in zwei Wanderrucksäcke und eine Kühltasche. Ich konnte mal wieder nicht glauben, was da alles rein passte. Unser Ziel war ein Campground mitten in der Wildnis des Denali- ohne Strom, ohne Duschen, ohne Warmwasser oder gar eine Einkaufsmöglichkeit. Also musste hier alles dabei sein, was wir brauchten- von Geschirr über Essen, Trinken, Klamotten, Zelte, Schlafsäcke, Decken. Voll routiniert hatten die Beiden in wenigen Minuten alles zusammen und verstaut- und das Abenteuer konnte starten.

Wie es weiter geht, erfahrt Ihr in Kürze. Seit gespannt auf unsere Begegnungen mit Elchen, Karibus, Bären und natürlich Eichhörnchen, die Schönheit der Wildnis und auf einen spektakulären Blick auf den Denali (oder Mount McKinley).

Liebe Grüße aus Alaska!

Eure Weltenbummler plus Ö 🙂 !!

 

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Ein Gedanke zu „Bärenalarm im Eichhörnchenwald

  1. Schön, von Euch zu hören, tolle Bilder, weiterhin viel Spaß und passt gut auf, dass Euch keine „Eichhörnchen“ über den Weg laufen, lach.
    Gruß von uns allen, wir hoffen auf baldige neue Erlebnisberichte.

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